Von Hochstämmchen, Stadtpflanzen und Gartenpannen

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Ende Juli geben unsere Rispenhortensien alles – sie explodieren förmlich und biegen sich unter der Last ihrer Blüten. Grund genug ihnen heute mal ein kleines eigenes Kapitel zu widmen.

Erst wird geplant ….

Von unserer Gartenplanung im Jahr 2010 habe ich ja bereits berichtet. Nun denn, damals war ich so eine echte Stadtpflanze und hatte Zeit meines Lebens weder Gelegenheit noch besonderes Interesse, mich mit Pflanzen zu beschäftigen. An die Gartenplanung bin ich dann auch entsprechend, nennen wir es mal „unverblendet“ rangegangen, im Klartext: ich hatte keine Ahnung von Pflanzen :-). Über das Raumkonzept des Gartens habe ich mir hingegen sehr viele Gedanken gemacht, ist ja auch sozusagen mein Metier als Architektin… Die unterschiedlichen raumbildenden Elemente wollen aber natürlich irgendwann dann auch gärtnerisch umgesetzt werden. Und so machte ich mich dann im Netz, später in Gärtnereien auf die Suche nach etwas, was als lockere Raumkante an der linken Grundstückgrenze taugt. Hochstämmchen sollten es werden, die in unserm kleinen Garten nicht zu mächtig werden, hübsch aussehen sollten sie natürlich auch und winterfest (so weit habe ich immerhin gedacht) sollten sie sein. Irgendwo in den Weiten des I-Net bin ich dann auf Hortensienhochstämmchen gestoßen und habe diese dann nach einigem Suchen auch in einer Gärtnerei live und in Farbe gefunden – prima, passt!

Als Untergrund plante ich Basaltschotter ein (der geneigte Leser kennt ja meine Vorliebe für Materialkontraste, hier: kalter Basalt, warmes Holz, frisches Grün). Und da unser Häuschen ein Reihenmittelhaus ist, war klar, dass wir nach der Bauphase nur noch durchs Haus in den Garten kommen. Da wir wenig Lust hatten, tonnenweise Basaltschotter durchs Haus zu tragen (mit allen anderen Gartenmaterialien haben wir das dann aber doch gemacht – ersetzt das Krafttraining im Fitnessstudio) beauftragten wir den Außenanlagenbauer, der ohnehin vor Ort war, um das Gelände zu planieren etc., uns den Basaltschotter schon mal an Ort und Stelle einzubringen. So weit so gut.

geometrischer Garten

…. und dann umgesetzt

Als wir dann guter Dinge mit unseren 5 glücklich erworbenen Hochstämmchen anrückten, stellten wir fest, dass der Außenanlagenbauer nicht nur ein paar Zentimeter Basaltschotter eingebracht hatte, sondern ungefähr einen Meter tief verdichteten Untergrund undefinierbaren Materials (ich hab ja bis heute den Verdacht, dass er alles was auf dem Grundstück überflüssig war, dort hingeschüttet und verdichtet hat…). Er hatte übrigens meinen Plan, wusste also genau, dass dort noch gepflanzt werden sollte. Prima, da standen wir also an einem Samstagnachmittag mit unseren 5 Hochstämmchen und wollten doch so gerne weitermachen. Einzige Möglichkeit: Bewaffnet mit Hacke und Schaufel gruben und schlugen wir in mühevoller Kleinarbeit 5 Löcher in den steinharten Untergrund. Fragt nicht, wie wir geflucht und geschwitzt haben… Aber irgendwann waren wir fertig und konnten stolz unsere Bäumchen einsetzen.

Die erfahrenen Gärtner unter Euch werden sicher wissen, dass man Pflanzen unter anderem nach den Standortbedingungen aussucht. Und ich? Als echte Stadtpflanze wusste ich noch nicht mal, dass es sowas wie Standortbedingungen gibt (naja, ich hab’s wohl eher einfach verdrängt). Hortensienhochstämmchen sind nichts was einfach so in der Natur vorkommt. Auf kleine Stämme werden Rispenhortensien aufgepfropft, die Krone wächst also weiter, während die Stämmchen sozusagen nur als Halter und Transportmittel für Nahrung dienen und nicht mehr wachsen. Kann man machen, schließlich hat der Mensch schon immer in die Natur eingegriffen. Was man sich aber sehr gut überlegen sollte, ob diese sensiblen Geschöpfe in der Hauptfrischluftschneise zwischen dem Großen Feldberg im Taunus und Frankfurt so richtig gut stehen :-). Könnt Ihr Euch das Drama vorstellen, wenn draußen mal wieder der Sturm tobt, ich drinnen sitze und durch die großzügige Glasfront untätig zusehen muss, wie unsere Hochstämmchen schutzlos den wilden Naturgewalten ausgeliefert sind? Gar nicht schön wie sie sich im Wind bis fast zum Boden beugen. Merke: Hortensienhochstämmchen mögen definitiv einen windgeschützten Platz!

Hortensienhochstämmchen

Hilfe, da wächst nichts ….

Und dann ist da noch die Sache mit dem Frühjahr. Irgendwie mache ich mir ohnehin immer ein wenig Sorge, ob die Pflanzen in ihren eigentlich viel zu kleinen Pflanzlöchern genug Nährstoffe bekommen, wahrscheinlich nicht wirklich, aber ändern kann ich’s ja nun auch nicht mehr. Im Frühjahr schneidet man Rispenhortensien (so hab ich gelesen) stark zurück, mach ich also brav immer im März. Und dann nimmt das Drama seinen Lauf – es wird Anfang April, Mitte April, Ende April, Mai und nichts aber auch gar nichts von Knospen ist zu sehen. Ich, beinahe täglich: „Du, diesmal sind unsere Hortensien wirklich eingegangen, da wächst nichts“. Der Herr fein & raum (leicht genervt (oder amüsiert?), Blick zur Decke): „Das sagst Du jedes Jahr!“…, so geht das Spiel dann über Wochen und ganz ehrlich: Ich bin wirklich felsenfest überzeugt, dass da nichts mehr wachsen KANN, Ewigkeiten sieht man einfach nicht das kleinste bisschen Grün, kein Anzeichen von Leben. Naja, guckt Euch die Fotos an, dann wisst Ihr, was von meiner Panikmache im Frühjahr zu halten ist. Ob ich das nochmal lerne?

Fazit: Bis jetzt haben die Hortensien trotz aller Widrigkeiten und Pannen überlebt. Ich hoffe, das bleibt auch noch ganz lange so, denn ich mag sie wirklich gerne mit ihren feinen weißen Blüten, die im Spätsommer dann hübsch altrosa werden.

Habt Ihr auch die ein oder Panne im Garten oder auf dem Balkon erlebt oder habt Ihr das souveräner hinbekommen?

 

5 Kommentare

  1. Liebe Mecki,

    musste sehr lachen bei deinem Post. Und ja natürlich habe ich auch schon Fehler gemacht und das als Landschaftsarchitektin. Ich habe erst neulich Gräser umgepflanzt, die unter unseren Felsenbirnen waren und die Stämme der Felsenbirnen verdeckt haben. Ich will aber Stämme sehen. Und leider habe ich beim Pflanzen nicht bedacht, dass die Gräser blühen und dann so hoch sind dass man die Stämme nicht mehr richtig sieht. Und ich bin halt so ein Textur/Farbschattierungen Monk. Also ich kann Stunden auf verschiedene Grüntöne starren oder auf verschiedene Blattstrukturen. Und wenn das nicht passt, dann werde ich wild ;)
    Ich wünsche den Hortensien im Windkanal alles gute und ganz ehrlich, ich persönlich finde die Raumstruktur in einem Garten ist tatsächlich wichtiger als die Pflanzen. Die kann man immer umpflanzen, ersetzen usw.
    liebe Grüße
    Lilli

    • Na, das beruhigt mich ja ein wenig, dass selbst Dir Pannen passieren :-). Uuuih, Grüntöne und Blattstrukturen müssen bei Dir passen…, ich glaube soweit bin ich noch nicht, das ich das so richtig wahrnehme im Garten, aber spannend!
      Liebe Grüße, Mecki

  2. Dein Garten ist so gelungen, auch wenn die Hortensienhochstämmchen nicht den für sie idealen Platz haben, schön sind sie allemal (und frag mich, ich gehöre sowieso zu den Experimentierern im Garten ohne fundierte „Grüne“ Kenntnisse ;-)
    Und Dein Garten/Gerätehaus gefällt mir, nicht zufällig ein bestellbares Fertigteilhäuschen?
    Liebe Grüße,
    Kebo

    • Das häufig ist ein Eigenbau, nachdem wir nix hübsches zum kaufen gefunden haben:-). Hübsche Gartenhäuser sind glaube ich ne echte Marktlücke :-) lg

  3. Ich kenne mich nicht gut mit Pflanzen aus, ich bewundere deshalb Pflanzenexperten. Ich habe schon Schwierigkeiten unterschiedliche Pflanzen zusammenzustellen, deshalb ist bei mir alles gleichbleibend. Vielleicht sollte ich mich auch mal, wie Lilli, mit den Grüntönen und Blattstrukturen auseinandersetzen.
    Die Ackerei hat sich definitiv gelohnt, die Hortensienhochstämmchen sind sehr schön. Vielleicht züchtest Du ja gerade eine widerstandsfähige Sorte heran ;) !
    Liebe Grüße, Cora

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