Symmetrie – von Gestaltungsprinzipien und Gestaltungsfallen

Hin und wieder durchstöbere ich meine Festplatte nach vorhandenen Fotos, die ich für meinen Blog nutzen kann (vor allem wenn das Wetter, wie dieser Tage, so wenig Licht spendiert, dass das Fotografieren kaum möglich ist). So bin ich dann auf diese kleine Fotoserie gestoßen – am Wiesbadener Bahnhof bin ich auf Symmetrie-Suche gegangen. Und möchte nun heute die Bilder als Aufhänger nutzen, Euch ein wenig über Symmetrie, ihre Bedeutung in der Baugeschichte und bei ganz aktuellen Einrichtungs- und Gestaltungsfragen erzählen.

Symmetrie

 Symmetrie – der Begriff

Das Wort Symmetrie stammt aus dem Griechischen und bedeutet Gleichmaß oder Ebenmaß. Damit ist auch schon klar, dass Symmetrie ursprünglich gar nicht das meinte, was wir heute darunter verstehen sondern allgemeiner eine gut proportionierte, maßvolle und harmonische Gestaltung. Erst im Laufe der Geschichte wurde Symmetrie dann zu der uns bekannten Punktsymmetrie oder Achsensymmetrie, das heißt, Objekte werden an einem Punkt oder einer Achse identisch gespiegelt.

 Symmetrie in der Baugeschichte

Wenn auch im alten Griechenland die Wortbedeutung noch eine etwas andere war, so kannte die klassische griechische Architektur doch auch das Gestaltungsprinzip der Symmetrie, wie wir sie heute verstehen. Ein griechischer Tempel ist ohne Symmetrie kaum vorstellbar – hier, wie auch in späteren Zeiten weist die Symmetrie auf eine höhere Ordnung hin. Interessant ist, dass zwar jeder einzelne Tempel der Akropolis streng symmetrisch aufgebaut ist, der Gesamtgrundriss der Akropolis hingegen kaum Symmetrien aufweist und daraus eine gewisse Spannung zieht. In allen folgenden Jahrhunderten findet sich die Symmetrie als Gestaltungsprinzip und zwar vor allem dann, wenn es darum geht auf eine höhere Ordnung, auf eine übergeordnete Stellung oder Macht hinzuweisen. Typische Beispiele dafür sind Kathedralen und Schlösser aber auch die Renaissancevillen des Andrea Palladio. Er perfektionierte für seine, meist reichen und mächtigen Bauherren, das Prinzip der Symmetrie und gliederte auch untergeordnete Wirtschaftsgebäude streng in die symmetrische Anlage ein. Erst im 20. Jahrhundert geriet die Symmetrie als ordnende Kraft in Verruf. Mit der Herrschaftssymbolik vergangener Jahrhunderte konnten Architekten wie Le Corbusier oder die Architekten und Künstler des Bauhauses nur noch wenig anfangen. Zu komplex waren die Zeiten und die Zusammenhänge um sie mit einfachen Ordnungsprinzipien abzubilden. Das Streben nach einer demokratischen Architektur, einer Architektur, die nicht Klassenunterschiede abbildet sondern allen eine gut gestaltete Umwelt ermöglicht, machte die Symmetrie als Gestaltungsmittel obsolet. Gestaltung hieß nun, die Elemente in ein spannungsvolles und dennoch harmonisches Gleichgewicht zu bringen. Gut gestaltete Architektur arbeitet bis heute mit diesem Spannungsfeld.

 PalladioPalladio-Villen; Bildquelle: Wikimedia Commons Bauhaus GebäudeBauhaus Dessau; Bildquelle: Wikimedia Commons

Von Symmetriefallen und Lösungen

Auch das was wir in unseren eigenen 4-Wänden tun ist ja immer ein Gestalten und damit immer auch ein Arbeiten mit Gestaltungsprinzipien. – so auch mit der Symmetrie oder eben dem Gegenpart, der Asymmetrie. Solche Gesetzmäßigkeiten zu kennen und sie bewusst einzusetzen, hilft beim Planen und Gestalten des eigenen Lebensraums. Es gibt natürlich Dinge, die rufen gerade zu nach Symmetrie – so wird ein Stuhl allein auf Grund der menschlichen Physiognomie fast immer symmetrisch sein. Bei anderen Gegenständen haben wir mehr Gestaltungsfreiheit. Und Freiheit ist zwar schön aber nicht unbedingt einfach, denn sie fordert uns Entscheidungen ab, und die können auch mal falsch sein. So habe ich, als wir unsere derzeitige Bleibe planten, links und rechts oberhalb des Sofas zwei Wandauslässe für Leuchten eingeplant, als wir dann eingezogen waren, zwei schöne Leuchten ausgesucht und umgehend an der Wand montiert. Keine gute Idee, überhaupt nicht – weiter oben habe ich ja lange die Symbolik der Symmetrie in der Baugeschichte erläutert. Und unser Sofa mutierte mit den beiden Leuchten zum lebenden Beweis: Herrschaftssymbolik, höhere Ordnung und so – blöd, wenn die gemütliche Kuschelecke im Wohnzimmer plötzlich zum Altar mit Herrschaftsanspruch wird… Die Leuchten mussten also umgehend wieder runter, leider hatten wir jetzt zwei große überflüssige Wandauslässe. Aber ich bin ja flexibel, also wurden die Bilder einfach so aufgehängt, dass man von den Auslässen nichts mehr sieht und Licht spendet nun eine seitlich platzierte Stehleuchte, die Symmetrie ist raus und damit auch das Altarfeeling, gut so!

Sofa Ikea Stockholm

Fazit

Das Sofa mit dazugehörigen Leuchten ist EIN Beispiel in unserer Wohnung, wo ein Abweichen von der vielleicht nahe liegenden Symmetrie ein Gewinn ist.  Es gibt sicher Situationen, wo die Symmetrie natürlich und angemessen ist. Oftmals tut es einem Raum aber sehr gut, diese aufzulösen und dadurch ein wenig Spannung und eine komplexere und vielschichtigere Harmonie zu erzeugen.

4 Kommentare

  1. Hi Mecki,
    der Post war schon länger im Safari geöffnet. Deine informativen und so schön beschriebenen Posts brauchen manchmal von mir mehr Aufmerksamkeit. Das finde ich gut.
    Das Thema Symmetrie ist so interessant. Ich mag Symmetrie, auch die rhythmisierte aus der Renaissance. Das mit Lichtplanung ist so eine Sache, ha, da greift die Innenarchitektin, die nichts ohne Einrichtung plant ;) ! Aber wenn man es so drauf hat wie Du, kann man ja gut kaschieren. Mir kommen auch auf Anhieb zwei Ideen, um die Symmetrie aus den Angeln zu Hebeln.
    Bis gleich, Cora

  2. Ja, die Lichtplanung….., das Sofa war so rein zeichnerisch schon an der Stelle geplant, aber meine Vorstellungskraft hört bei der Beleuchtung und ihrer Wirkung im Raum gerne mal auf – ich schätze mal als Innenarchitektin hat man das deutlich besser drauf :-)
    Welche Ideen hast Du denn?
    LG, Mecki

  3. Die Vorstellung landet immer auf dem Papier und deshalb wird einem so einiges vor Augen geführt.
    Man könnte einen seitlich versetzen Farbstreifen an die Wand setzen, ein kleiner Hüftschwung sozusagen, der die Symmetrie durchbricht. Schlichte Wandstrahler, fallen nicht so ins Auge, die Symmetrie ist also nicht mehr gegenwärtig.
    Ein hinterleuchtetes Wandpaneel wäre etwas, dann sind die Lichtauslässe nicht ganz umsonst gewesen.
    So, genug geschlaumeiert, Du kennst Dich Dich doch schließlich aus ;) !
    Die Tische sind übrigens sehr schön, ein tolles Spiel!
    Liebe Grüße, Cora

  4. Das mit dem hinterleuchteten Wandpaneel werde ich mal im Hinterkopf behalten, die Idee gefällt mir. Irgendwann wird noch mal was gemacht mit der Wand, es wäre auch langweilig, wenn es gar keine offenen Baustellen mehr gäbe, ich glaube, in dem Moment wo ein Haus/eine Wohnung so richtig fertig ist, muss ich umziehen ;-).
    Die Tische mag ich auch, sie bekommen sicherlich demnächst mal ein eigenes Blogpost.
    Liebe Grüße, Mecki