Gartenplanung – Geometrie und Natur

Ja, zum Haus gehört auch ein Garten. Bloß, während ich in der Planung von Häusern beruflich bedingt ja viel Erfahrung mitbringe, bin ich was Gartenplanung betrifft absoluter Laie. Dementsprechend mussten wir uns an die Planung des Gärtchens auch erst einmal herantasten. Der Umgang mit Flächen und Formen ist in der Freiraumplanung nicht wirklich anders als in der Architektur. Was aber den (großen!) Unterschied macht, ist die Umsetzung der Form in Pflanzen.

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Planungsgrundlagen

Ein paar Eckpunkte waren gesetzt: Wir wollten Platz für eigene Kräuter und etwas eigenes Gemüse. Ein kleiner Geräteschuppen sollte es ebenfalls sein, da unser Keller nur sehr klein ist und zudem nur durchs Haus zu begehen. Und dann brauchen wir noch Raum, um unsere Mountainbikes vom Schlamm zu befreien, dies am besten im verschatteten hinteren Bereich des Gartens. Und zum Schluss wünschte ich mir auch noch einen Sitzplatz im Grünen, der vor Blicken etwas geschützt ist.

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Der Entwurf

Bald schon wurde mir bei der Planung klar, dass auch ein Garten letztendlich dreidimensionale Räume schafft und dass es daher entscheidend ist, nicht nur in der Fläche zu denken, sondern die einzelnen raumbildenden Elemente bewusst einzusetzen. Genau von diesen Elementen lebt der Entwurf. So gibt es eine winkelförmige Hecke, die einen Raum für die Sitzecke schafft. Eine kleine Reihung von Hochstämmchen definiert den Raum zum Nachbargarten hin, ohne ihn komplett abzuschließen. Die selbstgebaute Gerätebox bildet den Hintergrund und Schlusspunkt für die Reihe der Hochstämmchen. Ein Hochbeet, aus heimischem Lärchenholz, steht als Körper frei im Raum und ermöglicht es uns, Gemüse und Kräuter bequem anzupflanzen. Die kleine Rasenfläche ist in einen Rahmen aus Basaltkies gefasst und bekommt so etwas bildhaftes – sie wirkt wie ein ironisches Zitat der in deutschen Reihenhausgärten vorherrschenden Rasenflächen. Der Basalt taucht als Schotter auch rund um die Hochstämmchen auf und bildet mit seinem dunklen grau einen reizvollen Kontrast zum lebendigen Grün der Pflanzen. Mit seiner klaren geometrischen Formensprache korrespondiert der Garten mit der Architektur des Hauses und der Gestaltung des Innenraumes.

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Die Umsetzung

Die Fundamente für Weg, Holzfläche und Geräteschuppen sowie den Basaltschotter haben wir vom Außenanlagenbauer, der Stellplätze etc. erstellt hat, einbringen lassen – dies war für ihn während der Bauphase noch einfach möglich, hinterher hätten wir alles durch unser Reihenmittelhaus hindurch tragen müssen, da der Garten keinen Zugang von außen hat. Alles andere haben wir dann in Eigenarbeit erstellt. Der Weg, die Holzplattform und das Hochbeet entstanden aus einzelnen Lärchenholzbohlen, die unbehandelt sind und so mit der Zeit verwittern und einen sehr schönen Grauton annehmen. Habt ihr mal versucht, ein gut gestaltetes Gartenhäuschen zu kaufen? Ich kann nur sagen: Vergesst es…, nach dem wir uns ein wenig umgesehen hatten, war schnell klar: wir müssen selbst was entwerfen. Und so ist dann dieses Häuschen mit einer Verkleidung aus grau gestrichenem Kistensperrholz, das wir mit schmalen horizontalen Fugen verlegt haben, entstanden. Besonders gelungen finde ich die Dachkante: Um das Wasser sauber abfließen zu lassen, haben wir dem Dach ein leichtes Gefälle gegeben und die Dachfläche etwas auskragen lassen. Damit dennoch ein klarer Kubus entsteht, sind die Seitenwände etwas höher gezogen und mit einem kleinen Aluprofil, das auch die Dachpappe hält, abgeschlossen – sehr schön! Dass die Rasenfläche einen Rahmen aus Basaltkies hat, schrieb ich ja bereits – um hier eine wirklich exakte Kante zu bekommen, haben wir zwischen Rasen und Kies noch eine Stahlkante im Boden eingelassen.

Welche Pflanzen wir ausgesucht haben, wie diese wachsen und gedeihen und wie der Garten sich nun – einige Zeit später – entwickelt, das ist Thema für einen weiteren Artikel, den ich gerne demnächst einmal schreibe.

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9 Kommentare

  1. Liebe Mecki,
    schön, dass Dich der Weg zu meinem Blog geführt hat. Ich stelle Gemeinsamkeiten fest, was mich sehr freut. Ich finde es schön, gerade hier im Netzt, professionelle gleichgesinnte zu treffen.
    Dein Garten ist klasse geworden, mir gefällt die Geradlinigkeit, die mittels der Pflanzen durchbrochen wird. Ihr habt eine tolle Materialwahl getroffen. Holz und Stein, da kann man wieder sehen: Weniger ist Mehr.
    Zu den Gemeinsamkeiten: Ich bin Innenarchitektin, Unterrichte an einer Fachschule für Innenarchitektur CAD, ich liebe Beton, ich habe eine Schwäche für Designklassiker und ich baue gerne das ein oder andere Möbel selber.

    Ich freue mich auf einen Austausch mit Dir, herzliche Grüße und frohe Ostern, Cora

    • Liebe Cora,
      das ist ja nett und wir haben wirklich jede Menge Gemeinsamkeiten! Ich durchstöbere das Netz gerade nach Blogs, die mir gefallen und bin erst heute über Deinen gestolpert und muss sagen: er gefällt mir richtig richtig gut! Ich freu mich ebenfalls auf ganz viel Austausch mit Dir und werde künftig auf jeden Fall regelmäßig mitlesen auf Deinem Blog!
      Liebe Grüße und sonnige Ostern, Mecki

  2. Liebe Mecki,
    schön dass Du meinen Blog gefunden hast, so dass ich Dich gefunden habe! Als Landschaftsarchitektin kann ich Deien Herangehensweise an die Gartenplanung nur loben! Erst mal eine Skizze machen und dann vor allem die Raumkanten setzen, gerade in einem Reihenhausgarten total wichtig. Da gebe ich Dir recht, das ist tatsächlich nicht anders als ein Zimmer einrichten. Der große Unterschied ist nur dass es mit den Pflanzen immer eeewig dauert ;) Da beneide ich manchmal echt die Hochbau und Innenarchitekten die gleich alles „fertig“ haben nach der Bauphase…
    Was das Gartenhäuschen anbetrifft musste ich lachen: nein es führt leider tatsächlich kein Weg an der Eigenkonstruktion vorbei. Es sei denn man nimmt 15.000 Euro in die Hand, dann hat man aber eins mit Fußbodenheizung…
    Eure Idee mit dem seitlichen Dachüberstand ist super. Denn es gibt ja keine wirklich schöne Dachabdeckung. Die Alternative ist dann nur ein begrüntes Dach. Unser Geräteschuppen wird nächstes Jahr gebaut, dieses Jahr kommen noch andere Sachen dran ;)
    viele Grüße
    Lilli

    • Liebe Lilli,
      fein, dass Du den Weg her gefunden hast :-) Und schön, dass es einen Blog von einer Landschaftsarchitektin gibt – ich finde das Thema ja total spannend, aber während wir Architektinnen ja in Scharen bloggen, hab ich zum Thema Landschaftsarchitektur und Garten noch nicht so viel gefunden – ich werde Deinen Blog also gerne regelmäßig besuchen.
      Ja, das mit den Pflanzen…., nicht nur, dass sie solange brauchen, man (oder zumindest ich als Laie) weiß halt vorher leider auch nie so genau, wie das dann hinterher aussieht…., da ist die Architektur schon berechenbarer. Und bei uns im Garten führen die Pflanzen so eine Art Eigenleben – was ich säe wächst nicht zwangsläufig, dafür säen sich diverse (Vorjahres-)pflanzen ganz spontan selbst aus, aber manchmal ist das Zufällige ja auch ganz hübsch und solange ich immer was leckeres zu essen finde im Garten :-)
      LG, Mecki

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  5. Deine Gartengestaltung gefällt mir sehr. Ein moderer Garten fordert ein modernes Haus – nicht zwangsläufig… Mir gefällt die Materialauswahl und die konsequente Umsetzung. Holz, Farbe Grau in gradlinigem Design. Alles ist da – Höhe, Raum, Weite, Duft, Genuss und Pflegeleichtigkeit.
    Wir haben ein altes Haus mit einem klassischen „Klostergarten“. Ebenfalls ein klar strukturiertes Wegenetz
    was inzwischen „überflutet“ ist mit Stauden. Die Klarheit gemildert – gewollt – in den Staudenfarben Weiß, Blau und 88 Päonien. Die Holztöne RAL 7030. Ich schau gern wieder bei dir vorbei. Lieben Gruß Iris

    • Oh, so ein klassischer Klostergarten ist auch was Feines – und der Kontrast zwischen Strenge/Klarheit und den wuchernden Pflanzen ist besonders reizvoll. Das erlebe ich bei uns im Garten auch gerade – nachdem er nun „schon“ 4 Jahre wächst, erobern sich viele Pflanzen ihren Raum und es sieht nicht mehr ganz so ordentlich aus wie am Anfang, bestimmt zeige ich demnächst mal aktuelle Photos.
      Fein, wenn es Dir gefällt und Du wieder vorbei schaust, freut mich!
      LG, Mecki

  6. jetzt bin ich ein bißchen bei Dir hin und hergehüpft und prompt bei Deinen Hochbeeten gelandet.
    Offen gestanden werden die Tomaten in den Kästen nichts. Ich möchte sie auch nicht haben – mein Angetrauter besteht darauf.
    herzlich Judika