Die 6 besten Tipps zum Thema Material

Du möchtest gerade ein neues Möbelstück kaufen, Dein Wohnzimmer braucht eine Frischzellenkur, Du ziehst um und renovierst Deine neue Wohnung oder hast Du gar kürzlich einen Kaufvertrage unterschrieben und demnächst wird gebaut? Bei all diesen Dingen gibt es Entscheidungen zum Material zu treffen. Um Dir diese Entscheidungen ein bisschen zu vereinfachen, habe ich heute meine 6 besten Tipps zum Thema Material zusammengestellt. Vielleicht kann ich Dich ein bisschen inspirieren.

1. Wähle Materialien, die in Würde altern

Holz ist zum Beispiel so ein Klassiker: es wird im Laufe der Jahre tatsächlich schöner. Macken erzählen Geschichten vom Gebrauch, Lichteinfall sorgt dafür, dass das Holz über die Jahre etwas nachdunkelt und so sehr warm und natürlich aussieht. Ein Boden aus Holz – Dielen oder Parkett, ist echt eine Anschaffung für’s Leben (und damit oftmals auf lange Sicht günstiger als ein vermeintlich billiges Material). Aber auch ein „kaltes“ Material, wie zum Beispiel Edelstahl als Küchenarbeitsplatte, verträgt durchaus ein paar Schrammen und hält mit ein bisschen Pflege viele viele Jahre. Wohingegen eine Küchenarbeitsplatte aus Pressspahn mit Beschichtung schnell unansehnlich wird – sind erst einmal die ersten Macken drin, kann Wasser eindringen und die Platte quillt auf.

Zusammengefasst kann man sagen: je natürlicher und weniger verarbeitet ein Material ist, desto besser die Chancen, dass es in Würde altert. Bevor Du eine Entscheidung triffst, guck Dir ein Material an, wenn es schon mal jahrelang in Gebrauch war.

Material in würde altern

2. Wähle „ehrliche“ Materialien

Plastik, das so tut als wäre es Holz? Irgendwie blöd, oder? Eine Küche oder ein Möbelstück, dass aus Pressspan mit einer Plastikauflage gefertigt wird, ist ja an sich nicht per se etwas Negatives. Aber warum muss es etwas vorspiegeln, was so gar nicht ist und uns mit aufwendiger Fototechnik ein Material vorgaukeln, aus dem es gar nicht besteht? Keine gute Idee! Man spürt immer (mindestens unbewusst), dass hier irgendwas nicht stimmt – nicht nur die Optik ist irgendwie nicht „echt“, auch die Haptik (wie fühlt sich ein Material an?) oder sogar der Geruch (ein echter Linoleumboden hat zum Beispiel einen ganz feinen Geruch nach Leinöl, wie gut Holz riecht, wisst Ihr sicher auch) und der Klang (beim Darüber laufen zum Beispiel) machen einen Unterschied. Dass man mit Plastik auch ganz selbstbewusst umgehen kann, haben Ray und Charles Eames mit Ihrem Plastic-Side-Chair schon vor über 60 Jahren gezeigt –  ein toller Stuhl, der dazu steht, dass die Sitzfläche aus Plastik ist.

Fazit: wenn Du Plastik möchtest, nehme Plastik! Wenn Du Holz möchtest, nehme Holz! Wenn Du Stein möchtest, nehme Stein! An Materialien, die „ehrlich“ sind, wirst Du Dich nicht satt sehen und jahrelang daran Freude haben

3. Spiele mit Materialkontrasten

Du kannst die Wirkung von Materialien noch steigern, in dem Du Ihnen einen Kontrast entgegen setzt. Holz ist warm und ein bisschen edel – noch besser kommt es im Zusammenspiel mit einem kalten und rauhen Material zur Geltung: Stell Dir zum Beispiel ein Holzmöbel oder einen Holzboden vor einer Sichtbetonwand vor, schön! Oder Holz mit Metall. Oder Hochglanzlack mit Beton. Oder weicher Stoff mit Stein. Oder….., Du hast bestimmt noch eigene Ideen.

Materialkontraste Holz Beton

4. Finde Deine eigenen Vorlieben

Als wir vor ein paar Jahren umzogen und eine neue Küche her musste, wimmelte es in jedem Küchenstudio und Möbelhaus nur so von den Farben Magnolie, Vanille und Crème (alle 3 eigentlich das Gleiche) – mal abgesehen davon, dass mir die Farbe ohnehin nicht so besonders gut gefiel, beschlich mich das Gefühl, dass noch 20 Jahre später jeder meine Küche genau auf das Jahr 2010 zurückdatieren könnte – einfach weil anscheinend 95% der Küchen 2010 in genau diesem Farbton verkauft wurden, so was macht mich immer ein bisschen misstrauisch. Denn lasse ich mich bei der Material- (oder Farb-) wahl davon leiten, was gerade angesagt ist, ist die Gefahr natürlich groß, dass ich es 5 Jahre später, wenn der Trend plötzlich eine Kehrtwendung macht, einfach nicht mehr sehen kann. Gelingt es mir aber, meine eigenen Vorlieben zu finden und einen wirklich eigenen Stil zu entwickeln, werde ich meine Einrichtung, meinen Boden, meine Wände wahrscheinlich auch in vielen Jahren noch mögen. (Unsere Küche ist damals übrigens Mausgrau geworden :-)

Versuche also, unabhängig vom jeweiligen Trend, rauszufinden, was Dir wirklich gefällt, was zu Dir persönlich passt! Das ist natürlich nicht immer ganz einfach, lohnt sich aber auf jeden Fall.

5. Achte auf die Funktion

Dazu gehört auch, zunächst einmal zu überlegen, ob ein Material überhaupt eine Funktion hat. Eine Tapete, mit einem hübschen grafischen oder verspieltem Muster hat zum Beispiel die Funktion, Deine Wand zu verschönern, diese Funktion erfüllt sie bestens. Und eine Rauhfasertapete? Mmmmh, fällt Dir eine Funktion ein? Mir ehrlich gesagt nicht. Rauhfaser ist so ein Material, das eigentlich gar keine Funktion hat – also kann ich es auch weglassen (und dann feststellen, dass die verputzte Wand um ein vielfaches schöner ist). Ich hab übrigens schon diverse Vermieter davon überzeugen können, dass Rauhfaser mal so gar nicht nötig ist und bekam daraufhin jedesmal die offizielle Genehmigung, sie mühsam von der Wand abzukratzen :-). Hat sich aber gelohnt! Hat ein Material eine Funktion, ist es wichtig, darauf zu achten, dass es diese Funktion auch erfüllt. Du willst zum Beispiel Vorhänge im Schlafzimmer? Überlege Dir, welche Funktion sie erfüllen sollen? Sollen sie lediglich einen Sichtschutz bieten und die Morgensonne trotzdem durchscheinen lassen? Oder sollen Sie das Schlafzimmer so abdunkeln, dass Dir die Sonne Morgens nicht ins Gesicht knallt und Du in Ruhe ausschlafen kannst?  Was ist Dir bei Deinem Esstisch wichtig? Soll er unempfindlich für die verschiedensten Aktivitäten herhalten? Dann nimm zum Beispiel Holz, das hält einiges aus und wird dabei immer schöner (siehe Punkt 1). Oder soll er filigran daherkommen und möglichst luftig wirken und alles andere ist nicht so wichtig? Dann ist vielleicht ein Glastisch das richtige für Dich.

Funktion ist sehr vom jeweiligen Nutzer abhängig, überlege Dir daher vorher, was Deine persönlichen Ansprüche an ein Möbel usw. sind.

Material Funktion Vorhang Teppich Tapete

6. Lass Dich inspirieren

Inspiration ist toll, vor allem wenn es darum geht, eingefahrene Denkmuster zu durchbrechen und ganz eigene Ideen zu entwickeln. Du kannst natürlich auf Blogs, auf Instagramm oder Pinterest viele viele Inspirationen finden. Ich persönlich liebe es, mich in Baumärkten inspirieren zu lassen. Von Materialien und Bauteilen, die ich dann in ganz andere Zusammenhänge setze. So kann zum Beispiel ein einfaches Sperrholz, versehen mit einer feinen Weißlasur aus verdünntem Acryllack zu einem tollen Möbelmaterial werden. Oder die OSB-Platte wird, statt irgendwo unsichtbar im Wandaufbau zu verschwinden, zum Bodenbelag.

Gehe einfach mit offenen Augen durch die Welt (die virtuelle und die reale) und Du wirst viele Ideen finden und entwickeln, wie Du Materialien, vielleicht auch ganz unkonventionell, einsetzen kannst.

11 Kommentare

  1. Liebe Mecki,
    toller Beitrag! Und Du hast Recht, je natürlicher etwas ist, desto besser. Und Dinge mit Patina und Geschichte gefallen mir grundsätzlich besser als etwas Neues. Ein wenig schmunzeln musste ich bei Deiner Feststellung, dass Material nicht vorgaukeln sollte etwas zu sein, dass es nicht ist. Wir haben uns im neuen Haus für Fliesen in Holzoptik entschieden. Einfach weil Fliesen wesentlich widerstandsfähiger gegen herumgeschobene Stühle und Küchenaktivitäten sind. Trotz des unehrlichen Materials bin ich ganz sicher, dass wir sehr lange Freude an unserem ‚Holzboden‘ haben werden. Aber eine Spanplatte in Bucheoptik als Küchenplatte ist wirklich nicht das Optimum. Da sind wir uns absolut einig! Liebe Grüße zu Dir! Tanja

    • Liebe Tanja,
      ja, diese Fliesen in Holzoptik kommen schon in erstaunlicher Perfektion daher, für mich wärs aus oben genannten Gründen dennoch nix :-). Aber es muss ja auch jeder mit seiner Wahl selbst glücklich sein und da kann man natürlich durchaus unterschiedlicher Meinung sein. Wir haben unter unseren Stühlen Filzgleiter, damit der Boden nicht leidet – die Dinger waren richtig teuer, aber was tut man nicht alles, um den schönen Boden zu erhalten :-)
      LG und weiter ganz viel Spaß beim Material aussuchen!
      Mecki

      • Liebe Mecki,
        so sieht es aus, was tut man nicht alles… ;-) Wenn dann mal alles verlegt ist werde ich berichten, wie es sich so ‚anfühlt‘ auf Fliesen zu laufen aber Holz zu sehen. Grundsätzlich gebe ich Dir nämlich absolut recht! Und noch schnell zu Thema Rauhfasertapete: Wenn ich den erwische, der das Zeug erfunden hat, kann er sich warm anziehen. Das Zeug sieht auf Bildern so scheußlich aus und hat – wie Du sagst – einfach keine Funktion. Warum nur ist es immer noch so beliebt?!?
        Einen guten Start ins Wochenende! Tanja

        • Ich bin schon jetzt gespannt, was Du so berichten wirst. Ja, die Rauhfaser…., irgendwie kann das ganze doch nur ein risieges Missverständnis sein, ich verstehe es auch absolut nicht, warum es das Zeug überhaupt gibt (und warum so viele Menschen meinen, man MÜSSTE die an der Wand haben, was hatte ich da schon für Diskussionen :-)).
          Dir ebenfalls ein schönes WE,
          Mecki

  2. Die Materialwahl einmal auf den Punkt gebracht. Ein guter Tipp von Dir ist, dass man sich die Materialien vor der Kaufentscheidung im gebrauchten Zustand ansehen sollte. Ich konnte es z.B. kaum abwarten, bis meine Lärchenterrasse endlich den Graustich bekommt.
    Liebe Grüße
    Cora

    • Ja stimmt, Lärchenholz im Außenbereich ist auch so ein wunderbares Beispiel für mit der Zeit schöner werdendes Material!
      Einen schönen Tag Dir, LG,
      Mecki

  3. Ich kann mich Deinen Ausführungen nur anschließen und besonders die ehrlichen Materialien… nicht immer für jeden umsetzbar, aber ich sehe es auch so und mag es auch so. Laminat, das so tut als ob ist grässlich, Raufasertapete unnütz. Und „echtes“ altert auch anders, es behält Charakter… kriegt Patina.
    Dein Garten ist ja schon richtig schön verwachsen, zumindest die Ecke, die man sieht. Ist ja auch perfekt geplant gewesen ;-)
    Schönes Wochenende und liebe Grüße,
    Kebo

    • Tatsächlich wächst der Garten manchmal schneller als mir lieb ist :-). Wobei, eigentlich mag ich es schon gerne, wenn es wuchert, aber nach mittlerweile 5 Jahren, muss man schon manchmal ganz schön aufpassen, was sich da so alles vehement breit macht.
      LG zu Dir, Mecki

  4. Wirklich tolle Tipps, die ich auch meinen Kunden immer mitgebe.
    Danke fürs tolle Zusammenfassen. werd ich mir gleich ein Lesezeichen setzen :)

    Ganz viele liebe Grüße

    Franzy

  5. Liebe Mecki! Ich kann mich mit dem Beitrag absolut identifizieren. Je natürlicher das Material, desto besser. Auch dieses „Vorgaukeln-etwas-zu sein“ geht mir gehörig auf den Sender, sei es bei Materialien, sei es bei Menschen ;) Ich habe mich in all meinen Wohn- und Schlafräumen genau aus diesem Grund für Echtholz-Dielen entschieden. Ich finde Natürlichkeit ist zeitlos und bringt einfach Wärme und Wohnlichkeit in den Raum. Außerdem – ich mag jetzt nicht egoistisch klingen, aber es ist so – gefallen sie mir einfach am besten von allem. Okay…vielleicht bin ich schon ein bisschen verliebt in meine Dielen, aber bewundert sie einfach selbst hier :D