11. August 2014
von mecki
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Kunsthaus Bregenz

Zwei Wochen schönster Sommerurlaub liegen hinter uns. Der größere Teil des Urlaubs war so ganz und gar nicht der Architektur und Kultur gewidmet, sondern führte uns mit den Rädern über die Alpen – immer wieder genial, um den Alltag ganz schnell hinter sich zu lassen, nach einem halben Tag auf dem Rad habe ich das Gefühl, mindestens schon eine Woche weg von Zuhause zu sein und habe den Kopf frei von jeglichem Alltag. Auch der Regen konnte diesem Gefühl nichts anhaben, das Schöne ist: wenn man erst einmal bis auf die Knochen nass ist, kann’s gar nicht mehr schlimmer werden, spätestens dann ist weiterfahren die beste Lösung :-).

Nach dem Alpencross haben wir uns noch ein paar Tage im Bregenzerwald gegönnt – für jeden Fan von guter Architektur und gutem Design ist diese kleine Region in Österreich ein absoluter Wohlfühlort. Dazu werde ich aber demnächst noch einen eigenen Artikel schreiben. Heute soll es erst einmal um ein ganz spezielles Gebäude gehen – das Kunsthaus Bregenz.

Das Gebäude – der Architekt

Kennt Ihr Peter Zumthor? Er ist der Architekt des Kunsthaus Bregenz. So ein wenig entzieht sich seine Architektur jeglicher Beschreibung. Ein wenig sperrig, unglaublich präsent, sehr präzise, sehr reduziert und von einem sehr genauen Umgang mit dem jeweiligen Material geprägt – so würde ich seine Gebäude beschreiben oder besser, versuchen zu beschreiben.

Kunsthaus Bregenz

Auch das Kunsthaus Bregenz ist bei der ersten Annäherung von außen ein wenig sperrig. Selbstbewusst und formal sehr reduziert steht es mit seiner Milchglashaut inmitten der Bregenzer Altstadt, nur ein paar Schritte vom Ufer des Bodensees entfernt. Beim Betreten des Gebäudes fasziniert mich vor allem die Ruhe – sowohl die Ruhe, die der Raum ausstrahlt als auch die Ruhe, die dadurch entsteht, dass nur sehr wenige Besucher anwesend sind. Ich war nun zum zweiten Mal dort und finde es jedesmal wieder ungeheuer erstaunlich, wie wenige Menschen man dort antrifft. Gerade in einem Museum finde ich das klasse – man findet dort wirklich die Muse, ganz in Ruhe zu schauen und den Raum und/oder die Kunst auf sich wirken zu lassen. Ich bin übrigens ganz schnell gänzlich überfordert mit dem Dreiklang Raum, Kunst und Fotografieren – so habe ich beim diesmaligen Besuch der Kunst einfach kaum Beachtung geschenkt, sondern sie lediglich genutzt um den Gebäudefotos mehr Tiefe zu geben, dem Raum eine Dimension zu geben. Ein weiterer Besuch mit Würdigung der Kunst lohnt also auf alle Fälle.

Kunsthaus Bregenz

Licht und Material

Während das Erdgeschoss noch ganz klassisch über Fensterflächen belichtet wird (zu sehen auf den ersten Fotos) werden alle drei Obergeschosse mit Tageslicht (und bei Bedarf auch Kunstlicht) über einen Lichtraum oberhalb der Decke aus geätzten Glaspaneelen belichtet. Dieses indirekte gefilterte Licht ist unglaublich weich und steht so in einem reizvollen Kontrast zu den kargen, harten Sichtbetonflächen. Letztere sind übrigens ungeheuer präzise ausgeführt ohne dabei ihren rohen Charakter zu verleugnen – wer meine Liebe zu Sichtbeton kennt, kann sich vorstellen, dass das für mich quasi der Himmel auf Erden ist ;-)

Kunsthaus Bregenz

Kunsthaus Bregenz

Von Verkehrsflächen und Toiletten

Wenn ich wissen möchte, mit wie viel Liebe zum Detail ein Architekt arbeitet, gehe ich aufs Klo! Klingt lustig, ist aber so. Testet es mal – ein Architekt, der wirklich ernsthaft arbeitet, wird sich auch dort um jedes Detail kümmern. Nun ist Peter Zumthor diesbezüglich ohnehin über jeden Zweifel erhaben – ich kenne kaum einen Architekten, der so akribisch auf jedes Detail achtet. Was ich Euch eigentlich sagen wollte: die Toiletten waren toll, aber da leider fast komplett in Schwarz gehalten völlig ungeeignet zum Fotografieren (ich bin ohne Blitz unterwegs…). Um so schöner ließen sich aber die Treppen fotografieren, auch diese sehr präzise gestaltet und profitierend von dem tollen indirekten Licht. Gerne hätte ich da noch ein wenig mit Bewegung experimentiert (der Herr fein & raum wäre sicher willig noch ein paar mal die Treppen hoch und runter gelaufen), mir fehlte aber leider das Stativ um mit langer Belichtungszeit Bewegung auf den Sensor zu bannen, beim nächsten Mal dann :-).

Kunsthaus Bregenz

Kunsthaus Bregenz

Ich hoffe Ihr hattet ein wenig Freude, bei meinem kleinen Gang durch ein faszinierendes Museum. Mir hat die Zeit mit der Kamera in den lichten reduzierten Räumen viel Spaß gemacht und ich werde sicher wiederkommen.

Peter Zumthor findet Ihr unter anderem hier bei tumblr.

Mehr zum Kunsthaus Bregenz findet Ihr hier.

18. Juni 2014
von mecki
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Ein ganz kleiner Blick ins Schlafzimmer und nochmal Hollandliebe

Ich bin ja ein bisschen zickig, wenn es darum geht, fremde Menschen in unser Schlafzimmer zu lassen. Heute gibt es dennoch einen klitzekleinen Blick in selbiges. Warum? Ich hab was Neues für die Wand und das möchte ich Euch nicht vorenthalten.

Strandbilder

Meine Liebe zu Holland und der Nordsee ist ja schon bekannt – ein bisschen Urlaubs- und Strandfeeling, die Weite der See, die Klarheit, die Leichtigkeit gibt’s jetzt auch im Schlafzimmer. Von den vielen Fotos, die ich in Holland gemacht habe, hab ich drei Stück auf edlem Hahnemühlen Papier (Hahnemühlen Photo Rag 308, kann ich nur empfehlen!) ausdrucken lassen und heute ist nun endlich das Päckchen mit den Drucken gekommen.

Strandbilder

Das musste natürlich sofort ausgepackt werden. Die passenden Bilderrahmen hängen schon seit längerem an der Wand und waren zuletzt mit ein paar melancholischen Regenbildern aus Stockholm bestückt – aber manchmal tut ein wenig Änderung einfach gut. Kennt ihr die Ribba Bilderrahmen von Ikea? Die sehen gut aus und sind zudem bezahlbar, aber ganz ehrlich, die Funktion ist eher so naja. Beim Aufmachen breche ich mir regelmäßig die Hälfte der Fingernägel,  wenn das Bild dann drin ist gehen beim wieder Zumachen die restlichen Fingernägel drauf. Ok, ich bin auch nicht besonders geschickt, mag sein, dass andere Leute das ohne größere Unfälle hinbekommen. Das Aufhängen wird dann auch immer zum Geduldsspiel, vielleicht habe ich aber auch noch nicht verstanden, wie das eigentlich funktioniert – ich hab von hinten zwischen den beiden Seitenteilen einen Draht gespannt, der dann auf einem Nagel an der Wand hängt. Keine wirklich gute Lösung – also falls hier irgendjemand mitliest, der eine schlaue Idee hat, wie man Ribba-Rahmen (zumindest die etwas größeren) aufhängt, ohne dass sich der Rahmen durchbiegt und Millimeter weit von der Wand absteht… nur her damit, ich werde ewig dankbar sein! Tips für andere Bilderrahmen, schön schlicht, vielleicht sogar trotz guter Verarbeitung noch bezahlbar (ich bin ein wenig Bilder-süchtig) nehme ich natürlich auch gerne entgegen…

Strandbilder

Aber zurück zu den erfreulichen Dingen. Die Bilder hingen dann doch irgendwann erfolgreich an der Wand und was soll ich sagen? Ich finde, es ist richtig hübsch geworden. Das Bett (oder besser den Rückenteil des Bettes, sozusagen, der Nachttischersatz), das Ihr in ganz kleinen Ausschnitten sehen könnt, ist übrigens auch ein Eigenentwurf. Sollte in seiner Hochglanz-weißen -Pracht mal vor einer Sichtbetonwand stehen, die hat der Maler dann aber leider aus Versehen gestrichen – so war das dann nichts mehr mit dem tollen Materialkontrast, fein ist es trotzdem, das Bett.

10. Mai 2014
von mecki
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Alain de Botton – Glück und Architektur

Blogs, die sich mit Möbeln, Einrichtung, Architektur und Design auseinandersetzen gibt es ja wie Sand am Meer. Als Leser und erst recht als Schreiber solcher Blogs beschäftigen wir uns tagtäglich mit der Gestaltung unserer Lebensräume. Für mich selbst kommt da immer mal wieder die Frage auf, welche Relevanz diese Themen eigentlich wirklich haben – ist das alles nur Chichi, Ausdruck einer übersättigten und gelangweilten Wohlstandgesellschaft, die nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten sucht? Oder steckt hinter der Gestaltung von gebauter Umwelt und Wohnraum und der Auseinandersetzung damit doch mehr, gar Tiefergehendes?

Ein Buch, das sich mit dieser Frage auf spannende und unterhaltsame Weise auseinandersetzt möchte ich Euch heute vorstellen:

Glück und Architektur – Von der Kunst, daheim zu Hause zu sein. Autor ist der in England lebende Schweizer Philosoph Alain de Botton. Vielversprechend, dass ein Autor aus einem ganz anderen Blickwinkel zu diesem Thema schreibt.

Alain de Botton Glück und Architektur

Inhalt

Direkt im ersten Kapitel mit Namen „die Bedeutung der Architektur“ geht de Botton in die Vollen – wenn gleich oftmals fast im unterhaltsamen Plauderton geschrieben, wirft er Fragen auf, die eine ganze Menge Nachdenkpotential mitbringen.

„Der Glaube an die Bedeutung der Architektur setzt nicht nur die Annahme voraus, dass wir – ob wir wollen oder nicht – an einem anderen Ort ein anderer Mensch sind, sondern auch die Überzeugung, dass es Aufgabe der Architektur ist, uns vor Augen zu halten, wer wir im Idealfall wären.“

Solche und ähnliche Sätze formulieren einen hohen Anspruch an die Architektur, dessen Erfüllung durch selbige aber auch immer wieder in Frage gestellt wird.

„In welchem Stil sollen wir bauen?“ ist das zweite Kapitel überschrieben und bietet einen abwechslungsreichen und eloquent geschriebenen Spaziergang durch die Baugeschichte. In Ansätzen wird klar, warum wir uns heute so schwer tun bei der Definition von Schönheit – ein Problem, das andere Jahrhunderte so nicht kannten. Auch philosophisches, nachdenkenswertes findet sich wieder – Gebäude, gestaltete Dinge reden darüber wie wir leben möchten. Die Frage, die die Kapitelüberschrift stellt, wird nicht wirklich beantwortet – überhaupt ist es, denke ich, eher die Stärke des Buches, Fragen zu stellen, denn Antworten zu geben.

Kapitel drei „sprechende Gebäude“ lädt ein, einen neuen anderen Blick auf Gebäude und Umwelt zu werfen und weckt Assoziationen, auf die man (oder ich) von selbst oft nicht gekommen wäre, die aber in ihrer Bildhaftigkeit oftmals überraschend einleuchtend sind. Wie das ganze Buch ist auch dieses Kapitel reich bebildert mit schönen und anschaulichen Beispielen aus Kunst, Möbeldesign und Architektur.

Das vierte Kapitel mit der schönen Überschrift „Ideale des Daheimseins“ möchte ich Euch mit einem Zitat daraus vorstellen:

„Der Hang zur Architektur scheint im Kern vielmehr mit dem Wunsch nach Kommunikation und Angedenken verknüpft zu sein, dem Wunsch, sich der Welt durch ein anderes Medium als das der Worte zu erklären, durch die Sprache der Dinge, Farben und Ziegelsteine: das Bestreben, anderen Menschen zu zeigen, wer wir sind – und uns im Zuge dessen selbst daran zu erinnern.“

Im folgenden fünften Kapitel „Die Tugenden von Gebäuden“ zeigt de Botton treffende Beispiele aus unterschiedlichen Epochen und behandelt mit Sachverstand und einer Prise Humor Themen wie Ordnung, Balance, Eleganz und Koheränz.

Alain de Botton Glück und Architektur

Fazit

Für mich hat das Buch vielerlei Anregungen zum Nachdenken gegeben. Die Auseinandersetzung mit der Frage, warum ich (und viele andere Gestalter, Blogger usw.) mich immer wieder so intensiv mit der Gestaltung von Raum beschäftige und was Architektur für uns bedeutet wird hier auf gut lesbare und unterhaltsame – und dennoch nicht oberflächliche – Weise aus einem ganz anderen Blickwinkel beleuchtet. Welchen Einfluss nimmt die Architektur auf unser Leben? Was macht die Qualität von Räumen aus?  In welchem Kontext gestalten wir Umwelt? All diese Fragen werden zwar nicht abschließend beantwortet, aber aus erfrischenden Perspektiven beleuchtet und bieten so Anregung, selbst über das eigene Tun und die eigenen Räume nachzudenken. In meinen Augen eine empfehlenswerte Lektüre für alle die sich für die Gestaltung unserer gebauten Welt interessieren.

Und nun komme ich nochmal zu meiner Ausgangsfrage zurück: Was denkt Ihr, was treibt Euch an? Welche Bedeutung hat Architektur, die Gestaltung eines Zuhauses für Euch?

4. Mai 2014
von mecki
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Wohin mit der Wäsche? oder Neues aus der Möbelwerkstatt

Dass ich gerne Möbel aus Multiplex entwerfe, hat man an dieser Stelle ja schon mal öfter gesehen. Als wir den 3,2 Meter langen Schreibtisch in meinem Arbeitszimmer gebaut haben ist einiges an Material übrig geblieben. Im Schlafzimmer fehlte uns immer ein Platz, um Klamotten abzulegen und Schmutzwäsche auf dem Weg zur Waschmaschine zwischenzuparken. Eigentlich wollte ich dafür seit langem ein schönes altes schwedisches Kökssoffa (das sind die Küchenbänke, die es in Schweden zuhauf gibt – Ihr kennt das sicher zum Beispiel aus den Michel-Verfilmungen, da schläft Lina auf selbigem). Aber irgendwie wurde es nie was mit einem solchen Kökssoffa und so haben wir kurzerhand beschlossen, aus den Resten eine Bank aus Multiplex zu bauen. Multiplexbank

Entwurf und Umsetzung

Die heimatliche improvisierte Kellerwerkstatt taugt für Möbel ab einer gewissen Größe nur bedingt. Und so waren wir froh, diese Werkstatt zu entdecken, die einmal wöchentlich abends ihre Tore öffnet für Leute wie uns, Werkzeuge stellt und auch entsprechend beim Umgang damit unterstützt. Ich finde das ja überhaupt eine tolle Idee: Raum und Werkzeuge teilen, nicht alles selber besitzen sondern mieten. Ich hoffe, in Zukunft gibt es noch viel mehr solche Projekte. Aber zurück zur Bank: Gehrungsschnitte sind ja eigentlich nicht so die typische Holzverbindung – bei Multiplex finde ich sie aber immer wieder schön, sie bringen die Schichtung so gut zur Geltung. Die Schublade hat rundum eine Schattenfuge, eine einfache Griffmulde, läuft ganz leise auf 4 verdeckt liegenden Rollen und die Versteifungsstrebe in der Rückwand der Bank dient gleichzeitig als Anschlag, damit die Schublade immer am richtigen Platz parkt – auch morgens um 6 im Halbschlaf.

Multiplexbank

 In Gebrauch

Vor unserer blauen Wand im Schlafzimmer kommt die Bank gut zur Geltung. Ganz so aufgeräumt wie auf den Bildern sieht sie im Alltag nicht immer aus, aber zumindest finden schmutzige Socken und ähnliches nun regelmäßig ihren Platz in der Schublade statt auf dem Boden – ich geb sie jedenfalls nicht mehr her.

30. April 2014
von mecki
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Leuchten – ganz einfach!

Ich finde ja, es gibt viel zu viele Leuchten auf dieser Welt – da kann sich doch kein Mensch entscheiden. Wart Ihr mal in einem gut sortierten Laden und habt versucht, eine Leuchte auszusuchen? Unmöglich, geht nicht! Und wenn man sich die Entwürfe, die so auf dem Markt landen dann anschaut, stellt man fest, dass die Hälfte auch noch übelste Staubfänger sind. Ich hatte mal einen Chef, der den Bauherren ob ähnlicher Einwände gerne erwiderte. „Ich bau mein Haus doch nicht um einen Putzlappen drumrum“ – da hat er ja grundsätzlich recht, aber ich finde bei Leuchten hört der Spaß dann irgendwann auf. Kennt Ihr dieses Modell, das bevorzugt in Postfilialen hängt? Das mit den vielen filigranen Rippen?. Könnt Ihr Euch vorstellen, wie viel Staub in so einem Ding hängen bleibt? Aber eigentlich wollte ich Euch ja nur zeigen, dass man sich diesem ganzen riesigen Auswahlwahnsinn an Designerleuchten gar nicht ausliefern muss und ganz einfache Lösungen finden kann. Hier eine kleine Auswahl:

Leuchten

  1. Eine ganz einfache Ikea-Leuchte, wir haben sie in 3-er Reihe (Reihung ist immer gut…) über dem Esstisch hängen und mit einer selbstgebauten Aluschienenlösung an der Decke befestigt.
  2. Ein alter Heizstrahler aus den 1920-er Jahren, mein absolutes Lieblingsstück, hängt bei uns in der „Lounge“ (was das ist und wie die aussieht zeig ich Euch ein anderes mal)
  3. Wenn ich das Stativ gerade nicht zum Fotografieren brauche (und ich fotografiere lieber ohne!) wird dieser einfache Strahler dran geklemmt, derzeit im Gästezimmer im Einsatz.
  4. Klassische Kugelleuchte mit schöner Porzellanfassung von Manufactum, schmückt unser Bad
  5. Ja, in meinem Arbeitszimmer ist noch ein wenig Handlungsbedarf ;-)

 

24. April 2014
von mecki
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Arbeitszimmer – Raumwunder auf 5 QM

Heute möchte ich Euch den Ort vorstellen, an dem viele der Ideen, Entwürfe und Skizzen entstehen, die ich Euch hier vorstelle: mein Arbeitszimmer. Mit einer Fläche von 1.70 m x 3.20 m ist es denkbar klein und misst gerade einmal 5.5 qm. Aber solch schwierige Randbedingungen fordern ja geradezu gute Entwürfe heraus und sind damit oftmals viel spannender als große Räume, wo ohnehin alles Platz hat.
arbeitszimmer
Wichtig war mir, den kleinen Raum nicht mit zu vielen Elementen zu überfrachten und so besteht die Möblierung aus 2 einzelnen starken Elementen. Da ist einmal der Schreibtisch (1 in der Skizze). Zwei Multiplexplatten – eine horizontal, eine vertikal bis zur Unterkante des Fensters- die sich über die gesamte Raumlänge erstrecken, verdeckt befestigt sind und somit ein einfaches, gradliniges L bilden. Das zweite Element (2 in der Skizze) ist ein schlichtes weißes Regal, das die komplette Stirnwand einnimmt und das wir genau zwischen die beiden Längswände eingepasst haben. Es ist ebenfalls als L ausgebildet (was konstruktiv gar nicht so einfach zu bewerkstelligen war) und überschneidet sich so (3 in der Skizze) mit dem Tischelement, wodurch eine schöne Dreidimensionalität entsteht. Beim Regal bin ich nach etwas Suchen  bei der Firma Regalraum fündig geworden – die Maße passten für die Wand exakt und mir hat die filigrane Konstruktion gefallen.
Seht selbst wie es fertig gebaut aussieht:

Regale

Dass ein 3.2 m langer Schreibtisch wunderbar viel Platz bietet, muss ich, glaube ich, nicht extra erwähnen – dennoch schaffe ich es immer wieder, die komplette Fläche mit unterschiedlichem Papierkram zu belegen. Etwas disziplinierter geht es da im Regal zu – alles hat seinen Platz und das Zusammenspiel der zurückhaltenden weißen Konstruktion und der vielen unterschiedlichen Bücher sieht einfach gut aus. Weiße Regale, bestückt mit vielen Büchern sind ja ohnehin so ein Klassiker, der einfach immer passt. Irgendjemand hat mein Arbeitszimmer mal mit einem Leseplatz in einer Klosterbibliothek verglichen – das trifft es ganz gut, finde ich. Und gerade diese Ausstrahlung von Konzentriertheit passt natürlich ganz wunderbar für ein Arbeitszimmer.
Aus den Resten dieses Projekts ist übrigens Emil entstanden.

Arbeitszimmer

16. April 2014
von mecki
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Das ultimative Wohnbuch von Terence Conran

Heute möchte ich Euch eins meiner Lieblingsbücher zum Thema Wohnen, Möbel und Raum zum Leben vorstellen. Das ultimative Wohnbuch von Terence Conran.

Titel Conran

Der Autor

Terence Conran ist ein englischer Designer (* 1931), der sich unter anderem als Planer, als Buchautor und als Restaurantbesitzer einen Namen gemacht hat. In Deutschland ist er vor allem auch als Gründer des Möbelhauses Habitat bekannt. Ich besitze mittlerweile einige verschiedene Bücher von ihm (Wohnen, Küche, Garten) – allen gemein ist eine pragmatische und unverkrampfte Herangehensweise an die Themen und damit verbunden Ideen, die jenseits von Hochglanzbildern tragfähig sind.

Aufbau und Inhalt des Buches

Das Buch ist in drei Teile gegliedert.

  • Teil 1 Wohnkonzepte
  • Teil 2 Gestalten
  • Teil 3 Materialien und Ausstattung

Im ersten Teil „Wohnkonzepte“ geht es eher um allgemeine Überlegungen: Wie möchte ich wohnen, welche Prioritäten setze ich, wie wichtig ist mir zum Beispiel die Trennung von Wohnen und Arbeiten, welcher Raum hat welche Bedeutung für mich und wie entwickelt sich Wohnraum von der ersten eigenen Wohnung über die Familie bis hin zum „leeren Nest“? Letzere Fragestellung definiert dann auch die Namen der einzelnen Kapitel („Die erste Wohnung“, „Wohnen-Arbeiten“, „Familiennest“ etc.). Ich finde gerade diesen Teil des Buches sehr hilfreich, weil er dazu anregt, sich erst einmal Gedanken über eigene Wünsche und Zielsetzungen zu machen. Und das ist die Vorrausetzung, wenn man einen für sich selbst passenden Lebensraum, jenseits von Dekotrends und hippen Designermöbeln, finden möchte.

Im zweiten Teil „Gestalten“ werden dann bereits ganz konkrete Fragestellungen behandelt. Wobei sowohl organisatorische Themen (z.B. Kaufen, Verkaufen, Mieten etc.) angesprochen werden wie auch gestalterische Themen. Zu Materialen, Farben, Beleuchtung aber auch einzelnen Räumen wie Küche und Bad gibt es grundsätzliche Überlegungen aber auch viele praktische Tipps. Anhand konkreter Beispiele erhält man wertvolle Inspirationen. Ein wenig schwächer ist das Buch, wo es versucht, sehr komplexe, teils technische Themen (zum Beispiel Heizung, Installation) kurz und verständlich zu erklären. Hier kann es naturgemäß nur sehr an der Oberfläche bleiben und man fragt sich, ob da nicht weniger mehr gewesen wäre, denn die spärlichen Informationen zu diesen Themen helfen keinem so recht weiter und sind m.E. in einem Buch, dass sich mit der Gestaltung von Wohnraum beschäftigt auch erst einmal nicht zwingend notwendig.

Der dritte Teil zeigt dann kompakt und nach Themen sortiert verschiedene Materialien, Möbel, Bauteile und Beleuchtung. Gerade für Laien finden sich in diesem Teil wertvolle Informationen, die bei der Entscheidung, welche Materialien man verwenden möchte helfen und den Blick weiten, für Baustoffe etc., die man bisher vielleicht noch nicht kannte.

Conran Beispiel

Was ist das besondere?

Alle drei Teile des Buches sind eine gute Mischung aus größtenteils wirklich fundierten Texten und sehr guten, inspirierenden Bildern. Wenn man sich die Zeit nimmt, die Texte zu lesen, wird man mit deutlich mehr Tiefgang als viele der Einrichtungstrends-Bücher der letzten Jahre mitbringen belohnt. Der Spagat, ein Buch zu schreiben, dass sowohl Fachleute wie auch absolute Laien gerne in die Hand nehmen, ist hier gelungen. Auch nachdem ich das Buch schon einige Jahre besitze (mittlerweile gibt es eine Neuauflage mit geändertem Cover) lese ich immer wieder gerne darin und lasse mich inspirieren. Dies liegt unter anderem daran, dass es Conran gelingt, sehr lebendige und individuelle Lösungen zu präsentieren, die weit jenseits von bloßen Modeerscheinungen, Mainstream und allgemeinen Dekotipps zeigen, dass man auch mit wenig Raum und Fläche zu überzeugenden Lösungen kommen kann. Da ich selbst ein großer Freund von Einbaumöbeln bin und am liebsten für Räume immer nach einer maßgeschneiderten Lösung, die genau auf die bestehende Situation reagiert, suche, gefallen mir persönlich besonders die vielen vielen Beispiele für individuelle Einbaulösungen.

Conran Beispiele

Fazit

Text und Bilder: beides bietet hier viele fundierte Anregungen über die Gestaltung des eigenen Wohnraums nachzudenken. Kleinere Schwächen, wie die etwas oberflächliche Abhandlung komplexerer technischer Themen, fallen daneben nicht zu sehr ins Gewicht. Wer ein Buch sucht, dass auch beim x-ten Mal Lesen nicht langweilig wird, weil es sich nicht im Abbilden etwaiger Modetrends erschöpft, wird hier sicher fündig.

13. April 2014
von mecki
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Arne Jacobsen 3107 – aktueller Klassiker

Arne Jacobsen 3017

Ich mag es ja, wenn Dinge sich eher zufällig entwickeln und ihre eigene Geschichte haben. So bin ich auch an diesen Klassiker der Möbelwelt gekommen. Vor mittlerweile schon recht vielen Jahren hat eine große Firma ihre Möbelbestände erneuert und vorhandene Möbel an die eigenen Mitarbeiter verkauft. Über mehrere Ecken landeten dann 4 wunderschöne Modelle des Arne Jacobsen 3107 für 5 DM (!) pro Stück bei mir – Ihr könnt Euch denken, wie ich mich gefreut habe und dass ich diese Stühle nie wieder hergebe! Da vier Stühle natürlich nie ausreichen und ich es außerdem ohnehin viel schöner finde, wenn um einen Tisch ganz verschiedene Stühle stehen, haben wir die Arne Jacobsen Stühle mit ein paar ebenfalls dänischen bunten Pendants ergänzt.

Arne Jacobsen Stuhl 3017

Der Stuhl

Der 3107 basiert ursprünglich auf der ebenfalls sehr bekannten Ameise aus dem Jahr 1952. Arne Jacobsen (ein dänischer Architekt und Designer) experimentierte mit dem zum damaligen Zeitpunkt noch recht neuen Verfahren, Schichtholz unter Druck zu verformen. Im Jahr 1955 entstand die Serie 7 – als erfolgreichster Teil davon der Klassiker 3107. Gebaut wird der Stuhl bis heute von der dänischen Firma Fritz Hansen.

Plakat Arne Jacobsen

Schwedischer Zufallsfund

Das Plakat, das Ihr auf den Bildern sehen könnt ist ebenfalls ganz zufällig bei uns gelandet. Wir bummelten im Urlaub durch Stockholm und guckten uns das Schaufenster eines wirklich schönen Möbelhauses an. Dort entdeckte ich dann das Plakat, das zum 50. Geburtstag des 3107 aufgelegt wurde. Eine hübsche Idee: für jedes Jahr zwischen 1955 und 2005 wird ein Ereignis der Weltgeschichte aufgelistet. Dabei gibt es schwedisches, wie zum Beispiel den Vizetitel der schwedischen Fußball Mannschaft bei der WM 1958 aber auch internationales wie zum Beispiel der Fall der Mauer in Berlin. Ganz ehrlich: das meiste verstehe ich nicht, ich spreche nämlich überhaupt gar kein Schwedisch, aber ich mag es trotzdem. Als ich übrigens in Stockholm in den Möbelladen marschierte und fragte, ob das Plakat käuflich zu erwerben sei, erntete ich erstmal erstaunte Blicke. Aber die nette Verkäuferin tauchte dann in den Keller ab und kam einige Zeit später dann tatsächlich mit einem zweiten Exemplar zurück, das wir dann für wenig Geld kaufen konnten.