3. September 2014
von mecki
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Was Altes aus dem Möbelfundus

Normalerweise titele ich hier ja eher „was Neues aus der Möbelwerkstatt“ oder so ähnlich – die Möbelwerkstatt schwächelt aber während der Sommermonate ein wenig und so gibt’s heute mal ein Stück aus dem bereits vorhandenen Fundus. Diesmal zwar selbst entworfen aber NICHT selbst gebaut.

Unser Esstisch hat schon einige – besser viele – Jahre auf dem Rücken, entworfen habe ich ihn in meiner Anfangszeit als Architektin. Ihr seht, auch damals hatte ich schon eine Vorliebe für Materialkontraste :-). Der rohe Stahl mit den sichtbaren Schweißnähten (der übrigens versehentlich beinahe gestrichen worden wäre – das scheint so ein wenig mein Trauma zu sein) und das warme Holz können wirklich gut miteinander.

Tisch Stahl Multiplex

Anfang der Woche habe ich hier ja darüber nachgedacht, wie lange Möbel wohl überdauern können und ob sie eher ein ständig auszutauschendes Zeitgeistprodukt sind oder nicht. Da musste ich auch an diesen Tisch denken. Habt Ihr mal beobachtet, wie sehr so ein einfacher Gegenstand wie ein Tisch (4 Beine, Platte, fertig) Modeströmungen unterworfen ist? Hat man zum Beispiel vor 5 Jahren einen Tisch gekauft, so musste er plötzlich ungeheuer robust sein, mit massiven mindestens 20 cm breiten Tischbeinen und dicker Tischplatte, meist aus massiver Eiche, schön naturbelassen und geölt – ich schielte manchmal ein wenig neidisch zu diesen Wunderwerken der Schreinerskunst. Und nun seit einem Jahr die totale Kehrtwende: ein angesagter Tisch kommt im Moment filigran daher, eher grafisch in schwarz oder weiß mit schmalen, gerne etwas schräggestellten Beinen – auch wieder hübsch! Und dann schaue ich mir meinen Tisch an und bin eigentlich ganz froh, dass man ihm nicht auf den ersten Blick ansieht, wann er wohl entstanden ist und denke mir, dass er mich wohl noch viele Jahre begleiten wird.

Tisch Stahl Multiplex

17. August 2014
von mecki
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Bregenzerwald – Hotspot der Architektur und des Handwerks

Als wir im Februar dieses Jahres das erste Mal in den Bregenzerwald fuhren wusste ich zwar vorher, dass Vorarlberg für seine anspruchsvolle und gute zeitgenössische Architektur bekannt ist. Darauf vorbereitet, welche Fülle an toller Architektur und an anspruchsvoller Handwerkskultur mich im Bregenzerwald erwartet, war ich jedoch nicht. Auf engstem Raum (hier leben rund 30.000 Menschen in gerade einmal 22 Dörfern) finden sich unglaublich viele gut gestaltete Bauwerke. Während anderswo Qualität meist eher die Ausnahme ist – gerade in Neubaugebieten – ist sie hier absolut der Normalfall. Seit den 90-er Jahren des letzten Jahrtausends hat sich eine rege Bau- und Handwerkskultur gebildet, die auch von der sehr guten Zusammenarbeit der Architekten mit den Handwerkern lebt.

Bregenzerwald

Bregenzerwald, Impressionen

So war im Februar schon klar, dass ich hier nicht zum letzten Mal bin. Und jetzt in den Sommerferien haben wir die Gelegenheit genutzt und nach unserem Alpencross noch ein paar entspannte Tage in Au verbracht. Von hier lohnen sich Ausflüge nach Bezau und Bizau, die beide mit viel sehenswerter zeitgenössischer Architektur aufwarten. Auch eine Fahrt nach Schwarzenberg kann man machen, hier gibt es noch viele ältere Bauwerke – anders als im restlichen Alpenraum, wo ich die Häuser oftmals als schwer und eher überladen empfinde, sind auch die älteren Bregenzerwaldhäuser eher streng, ein wenig karg und mit sehr präzisen Details. Material ist hier wie auch bei den aktuellen Gebäuden vorwiegend Holz – sehr genau und mit hohem handwerklichen Anspruch  verarbeitet – es macht immer wieder Spaß, sich Details genauer anzugucken.

Bregenzerwald

Bregenzerwald, vom Umgang mit Holz, alte und neue Details

Für mich leben die Orte auch durch ihr absolut natürliches Nebeneinander von Alt und Neu – das Neue kommt selbstbewusst daher, aber dennoch zurückhaltend und nie marktschreierisch oder effektheischend. Das Alte wirkt ob seiner Reduziertheit und Präzision durchaus aktuell und nie überholt. Wie wohltuend ein Gang durch einen solchen Ort ist!

Bregenzerwald

Bregenzerwald, zeitgenössische Architektur

Ein weiterer schöner Ausflug führt uns nach Andelsbuch. Hier hat der werkraum bregenzwald seinen Sitz. Dies ist ein Zusammenschluss von unterschiedlichen Handwerkern, die sich der Qualität des Handwerks und der Baukultur sehr erfolgreich verschrieben haben und die sicherlich maßgeblich zum hohen Bauniveau im Bregenzerwald beitragen. In Andelsbuch gibt es das Werkraum Haus, errichtet von Peter Zumthor (über den ich im ersten Beitrag meiner Miniserie schon berichtete), stellen hier Handwerker ihre Arbeiten aus. Darüberhinaus gibt es immer eine Wechselausstellung zu spannenden Themen. Fotografieren ist hier übrigens nicht erlaubt (Zumthor macht sich wohl Sorgen ob der Qualität von Privatfotos…, das Gebäude ist übrigens wirklich nicht einfach zu fotografieren und ich hatte an dem Tag schon das Kunsthaus in Bregenz abgelichtet, war daher nicht so böse, dass meine Kamera nicht zum Einsatz kam).

Bregenzerwald

Bregenzerwald, zeitgenössische Architektur

Wollte man dem Bregenzerwald und seiner Baukultur gerecht werden, müsste man sich sehr viel mehr Zeit nehmen – insofern versteht meine Bilder nur als einen ganz kleinen ersten Einblick und eine sehr sehr willkürliche Auswahl. Wollt Ihr mehr wissen über den Bregenzerwald? Dann gibt es hier noch ein paar Internetadressen zum Weiterlesen:

Architekt Hermann Kaufmann: einer der Architekten, die die Entwicklung im Bregenzer Wald maßgeblich mitgeprägt haben, schöne Website mit toller Architektur

eigen+sinnig: ein spannendes Buch, wenn man mehr über das Bregenzwälder Handwerk, Geschichte und Gegenwart, erfahren möchte

Bregenzerwald Tourismus: normalerweise stehe ich ja nicht so auf diese Touri-Info-Seiten, diese hier ist aber super gut gemacht und unglaublich informativ (und selbst das Webdesign scheint mir dem allgemein hohen Gestaltungsanspruch im Bregenzerwald angemessen…)

 

11. August 2014
von mecki
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Kunsthaus Bregenz

Zwei Wochen schönster Sommerurlaub liegen hinter uns. Der größere Teil des Urlaubs war so ganz und gar nicht der Architektur und Kultur gewidmet, sondern führte uns mit den Rädern über die Alpen – immer wieder genial, um den Alltag ganz schnell hinter sich zu lassen, nach einem halben Tag auf dem Rad habe ich das Gefühl, mindestens schon eine Woche weg von Zuhause zu sein und habe den Kopf frei von jeglichem Alltag. Auch der Regen konnte diesem Gefühl nichts anhaben, das Schöne ist: wenn man erst einmal bis auf die Knochen nass ist, kann’s gar nicht mehr schlimmer werden, spätestens dann ist weiterfahren die beste Lösung :-).

Nach dem Alpencross haben wir uns noch ein paar Tage im Bregenzerwald gegönnt – für jeden Fan von guter Architektur und gutem Design ist diese kleine Region in Österreich ein absoluter Wohlfühlort. Dazu werde ich aber demnächst noch einen eigenen Artikel schreiben. Heute soll es erst einmal um ein ganz spezielles Gebäude gehen – das Kunsthaus Bregenz.

Das Gebäude – der Architekt

Kennt Ihr Peter Zumthor? Er ist der Architekt des Kunsthaus Bregenz. So ein wenig entzieht sich seine Architektur jeglicher Beschreibung. Ein wenig sperrig, unglaublich präsent, sehr präzise, sehr reduziert und von einem sehr genauen Umgang mit dem jeweiligen Material geprägt – so würde ich seine Gebäude beschreiben oder besser, versuchen zu beschreiben.

Kunsthaus Bregenz

Auch das Kunsthaus Bregenz ist bei der ersten Annäherung von außen ein wenig sperrig. Selbstbewusst und formal sehr reduziert steht es mit seiner Milchglashaut inmitten der Bregenzer Altstadt, nur ein paar Schritte vom Ufer des Bodensees entfernt. Beim Betreten des Gebäudes fasziniert mich vor allem die Ruhe – sowohl die Ruhe, die der Raum ausstrahlt als auch die Ruhe, die dadurch entsteht, dass nur sehr wenige Besucher anwesend sind. Ich war nun zum zweiten Mal dort und finde es jedesmal wieder ungeheuer erstaunlich, wie wenige Menschen man dort antrifft. Gerade in einem Museum finde ich das klasse – man findet dort wirklich die Muse, ganz in Ruhe zu schauen und den Raum und/oder die Kunst auf sich wirken zu lassen. Ich bin übrigens ganz schnell gänzlich überfordert mit dem Dreiklang Raum, Kunst und Fotografieren – so habe ich beim diesmaligen Besuch der Kunst einfach kaum Beachtung geschenkt, sondern sie lediglich genutzt um den Gebäudefotos mehr Tiefe zu geben, dem Raum eine Dimension zu geben. Ein weiterer Besuch mit Würdigung der Kunst lohnt also auf alle Fälle.

Kunsthaus Bregenz

Licht und Material

Während das Erdgeschoss noch ganz klassisch über Fensterflächen belichtet wird (zu sehen auf den ersten Fotos) werden alle drei Obergeschosse mit Tageslicht (und bei Bedarf auch Kunstlicht) über einen Lichtraum oberhalb der Decke aus geätzten Glaspaneelen belichtet. Dieses indirekte gefilterte Licht ist unglaublich weich und steht so in einem reizvollen Kontrast zu den kargen, harten Sichtbetonflächen. Letztere sind übrigens ungeheuer präzise ausgeführt ohne dabei ihren rohen Charakter zu verleugnen – wer meine Liebe zu Sichtbeton kennt, kann sich vorstellen, dass das für mich quasi der Himmel auf Erden ist ;-)

Kunsthaus Bregenz

Kunsthaus Bregenz

Von Verkehrsflächen und Toiletten

Wenn ich wissen möchte, mit wie viel Liebe zum Detail ein Architekt arbeitet, gehe ich aufs Klo! Klingt lustig, ist aber so. Testet es mal – ein Architekt, der wirklich ernsthaft arbeitet, wird sich auch dort um jedes Detail kümmern. Nun ist Peter Zumthor diesbezüglich ohnehin über jeden Zweifel erhaben – ich kenne kaum einen Architekten, der so akribisch auf jedes Detail achtet. Was ich Euch eigentlich sagen wollte: die Toiletten waren toll, aber da leider fast komplett in Schwarz gehalten völlig ungeeignet zum Fotografieren (ich bin ohne Blitz unterwegs…). Um so schöner ließen sich aber die Treppen fotografieren, auch diese sehr präzise gestaltet und profitierend von dem tollen indirekten Licht. Gerne hätte ich da noch ein wenig mit Bewegung experimentiert (der Herr fein & raum wäre sicher willig noch ein paar mal die Treppen hoch und runter gelaufen), mir fehlte aber leider das Stativ um mit langer Belichtungszeit Bewegung auf den Sensor zu bannen, beim nächsten Mal dann :-).

Kunsthaus Bregenz

Kunsthaus Bregenz

Ich hoffe Ihr hattet ein wenig Freude, bei meinem kleinen Gang durch ein faszinierendes Museum. Mir hat die Zeit mit der Kamera in den lichten reduzierten Räumen viel Spaß gemacht und ich werde sicher wiederkommen.

Peter Zumthor findet Ihr unter anderem hier bei tumblr.

Mehr zum Kunsthaus Bregenz findet Ihr hier.

29. Juni 2014
von mecki
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Schubladeneinsatz – ich liebe Multiplex!

Es gibt was neues aus der fein & raum – Werkstatt. Und diesmal ist es nicht nur schön sondern auch noch super praktisch. Ich habe Euch ja neulich schon mal erzählt, dass meine Gewürze, wenngleich viel genutzt, ein Schattendasein in diversen Tütchen fristeten, das ist jetzt vorbei! Der Herr fein & raum hat seine Fräse ausgepackt und ist damit wiedermal dem Multiplex zu Leibe gerückt. Jetzt haben wir einen ganz wunderbaren Schubladeneinsatz für die Küche, in dem 20 Gewürze Platz finden (ein paar meiner Gewürze müssen leider weiter in Tütchen leben, sonst wäre der hintere Teil der Schublade kaum mehr für anderes nutzbar gewesen).

Schubladeneinsatz Multiplex

Gewürzdöschen

Nach ein wenig hin und her habe ich mich dann für Döschen mit durchsichtigem Deckel entschieden, die sehen ein bisschen wertiger aus als die geschlossenen und außerdem hab ich so immer den vollen Überblick über meine Vorräte, sehr praktisch! Die Aufkleber und ihre verschiedenen Varianten habe ich Euch in der Entstehungsphase ja schon einmal gezeigt und nach Eurer Meinung gefragt. Tja, nach ein paar weiteren Versuchen ist die Entscheidung dann gefallen. Das Schöne ist: die Dinger sind ganz leicht abziehbar und die kleinste Packungsgröße sind 600 Stück. Wenn ich Lust auf Veränderung habe, kann ich mir also jederzeit neue Schildchen machen. Die Sticker von Herma sind echt praktisch – gut fand ich auch, dass auf der Website eine Indesign-Datei zum Download bereit steht, so dass die Platzierung der Grafiken echt ein Kinderspiel ist.

Schubladeneinsatz für Gewürze

In der Schublade

Der Multiplexeinsatz ist natürlich genau auf Maß für unsere 90 cm Schublade gemacht. Es ist eine wahre Freude, die Schublade aufzuziehen und fein geordnet 20 Gewürze vor der Nase zu haben. Außerdem ist der Anblick und die Haptik einer fein geschliffenen Multiplexoberfläche um einiges angenehmer als der schnöde weiße Kunststoff, der vorher das Schubladeninnenleben beherrschte (Wunsch an Herrn fein & raum: Multiplexeinsatz für den hinteren Teil der Schublade :-). Gestern Abend habe ich zur Feier des Tages dann direkt ein großes Gemüsecurry gemacht, bei keinem anderen Gericht kommen so viele Gewürze zum Einsatz. Hach war das schön: Schublade auf, Gewürze greifen, aufschrauben, bedienen, fertig. Curry mit mindestens 10 verschiedenen Gewürzen zu kochen gehört ab sofort zu meinen Lieblingsbeschäftigungen. An der Stelle muss ich ja mal meine Bewunderung für die vielen vielen Foodblogger ausdrücken: Gestern Abend war mir kurz danach, das schöne bunte Curry zu fotografieren. Das hätte bedeutet, irgendwo den letzten Rest Tageslicht suchen zu gehen, ein leidlich ansehbares Set aufzubauen, Kameraeinstellungen und Ausschnitte zu testen usw. usw., ich hatte aber Hunger. Kein Aufschub möglich, das Curry musste auf der Stelle vertilgt werden. Und die Foodblogger? Die kochen ungeheuer leckere gut aussehende Gerichte und nehmen sich, statt zu essen, die Zeit, perfekte Fotos zu machen, wohlwissend, dass das Essen nur eine begrenzte Zeit warm ist (oder sind die alle so schnell?), Hut ab, ich hätte da nicht die Ruhe zu, bei mir muss das Essen sofort auf den Tisch.

11. Juni 2014
von mecki
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Garten – von Giftpflanzen und Materialkontrasten

Neulich habe ich ja hier versprochen, dass ich noch mal ein paar aktuelle Bilder vom Garten zeige und hier sind sie jetzt! Wenn ihr regelmäßige Leser dieses Blogs seid, wisst Ihr ja schon, wie die Gesamtplanung des Gartens ausschaut und wenn nicht, dann könnt Ihr hier nachlesen. Dass der Garten so aufgeräumt und clean aussieht wie in diesem früheren Beitrag, ist nun schon 4 Jahre her. Die Elemente sind die gleichen geblieben: Holzdeck, Hochbeet (da ist noch ein zweites auf der Terasse dazu gekommen), Weg, Hochstämmchenreihe, Hecke, winziger Rasen, Basaltkies und Buchse. Faszinierend ist aber, wie sehr sich so ein Garten durch die Pflanzen von Jahr zu Jahr verändert.

Garten Geometrie

Das Hochbeet

Ein grüner Daumen gehört nicht gerade zu meinen Stärken – Zimmerpflanzen haben bei mir zum Beispiel früher oder später keine Überlebenschance, auch wenn ich mir noch so große Mühe gebe :-). Um so spannender finde ich, was sich so alles in unserm Garten tummelt, wächst und gedeiht, sich von selbst aussät oder jährlich wieder kommt. In unserm Hochbeet scheint sich so ziemlich jedes Kraut wohl zu fühlen und diesen Sommer, bei der Mischung von Sonne und Regen, explodiert alles geradezu. Versuche, solche Wucherkräuter wie Minze oder Melisse ein wenig einzudämmen, enden regelmäßig damit, dass das Kraut zwar an einer Stelle vernichtet ist, dafür aber mit dreifacher Vehemenz an allen andern Ecken des Hochbeetes hervorkommt – ich hab da mittlerweile kapituliert und es wird einfach ALLES was wächst zu Essen verarbeitet (Zitronenmelissenpesto kann ich nur empfehlen, lecker :-).

Borretsch und Ysop

Borretsch und Ysop

Apropos: der Borretsch ist ja auch so ein Kandidat für die wundersame Selbstvermehrung. Und gerade hatte ich dieses Frühjahr entdeckt, dass man ihn ganz wunderbar als Spinatersatz verwenden kann (das war fein – Pizza mit Spinat, Pasta mit Spinat, Quiche mit Spinat: geht bei mir alles täglich…), da musste ich lesen, dass der Borretsch nun plötzlich giftig sein soll – gar nicht schön. Ich hab ihn dennoch weiterwachsen lassen, aber den Konsum zumindest eingeschränkt und damit er noch für was zu gebrauchen ist, muss er nun halt als Fotomodel herhalten – die Blüten sind wirklich wunderhübsch. Das da neben ist übrigens Ysop – den wollte ich letztes Jahr mal vernichten, weil er geschätzte 2 qm in der Fläche und 2 m in der Höhe in Anspruch nahm und eigentlich schon sehr geringe Mengen zum Würzen reichen. Was soll ich sagen – jetzt hab ich ihn doppelt im Hochbeet, war ja klar! Aber hübsch ist er, und die Bienen freuen sich über Ysop genauso wie über Borretsch. Außerdem bin ich in verschiedenen Ottolenghi Kochbücher (der ist im Moment meine neue Koch-Ikone) auf Rezepte mit Ysop gestoßen, der wird jetzt also auch in größeren Mengen verzehrt.

Sichtbeton im Garten

Sichtbeton

Und dann war da noch der Sichtbeton. Ich werde ja nicht müde zu erwähnen, dass ich das Material mag. Unsere Terrasse ist links und rechts (also zu den Nachbarn hin) jeweils von einer ca. 2 Meter hohen Sichtbetonwand begrenzt. Die eine Seite nutzen wir für Brennholz (hach, ein Kamin ist was Schönes, vielleicht nicht gerade bei den aktuellen Temperaturen, aber im Winter ganz sicher, dann zeig ich Euch den auch mal). Da isser wieder der Materialkontrast: Holz und Beton, erwähnte ich, dass ich ihn mag ;-)? Auf die andere Seite haben wir besagtes zweites Hochbeet gebaut, um in unserm supergeordneten Schickimicki-Garten ein wenig mehr Anbaufläche für Gemüse und Co. zu haben ;-). Es funktioniert, dort wachsen vor allem Salat und Gemüse. Sah heute aber alles nicht so präsentabel aus, daher hab ich den Dill fotografiert, der ist hübsch, filigran  und macht sich besonders gut vor der Sichtbetonwand.

So, das war für diesmal der kleine Einblick in unseren Garten. Wenn die Rispenhortensien (die Hochstämmchen) dann in Blüte stehen gibt’s den nächsten Rundgang – die sind nämlich ganz besonders schön anzuschauen.

19. Mai 2014
von mecki
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Leuchte für’s Gästezimmer – sie ist fertig!

Letzte Woche habe ich Euch ja schon am Schaffensprozess teilhaben lassen – um so mehr freue ich mich, Euch heute die fertige Leuchte präsentieren zu können. Ins Rollen gekommen ist die ganze Geschichte ja überhaupt erst mit meinem Entschluss, mit meinem Arbeitszimmer auf 5 Quadratmeter umzuziehen. So hatten wir dann plötzlich einen eigenen Raum für ein Gästezimmer frei. Und da im Hause fein & raum ja selten Möbel gekauft werden, wurde kurzerhand das Gästebett aus Birke-Multiplex entworfen und gebaut (wird demnächst hier auch mal gezeigt – versprochen!). Nun hatten wir zum einen noch jede Menge Holzreste (ich hab da schon so ein paar Ideen für weitere Projekte…) und zum anderen keine Lampe für’s Gästezimmer (sieht man mal von der Stativlösung ab – das Stativ brauche ich aber grade zunehmend häufig, um schöne Fotos für diesen Blog zu machen :-). Da lag die Idee ja nahe, beides zu kombinieren.

Leuchte Gästezimmer

Leseleuchte – der Entwurf

Nachdem die Idee, eine Leuchte selbst zu bauen erst einmal geboren war, waren die ersten Skizzen schnell gemacht. Es gibt Entwürfe, wo man immer wieder hin und her probiert und ewig braucht, bis das Ergebnis überzeugt und dann gibt es wiederum Entwürfe wo all das ganz schnell geht und sich die Lösung quasi wie von selbst ergibt – zu letzterem gehört diese Leuchte. Die Idee zur Form: Quader und Kugel – ganz reduziert war schnell geboren. Ein wenig länger haben wir dann noch überlegt, wie man den Lichtschalter schön UND funktional unterbringen kann: Diese ins Kabel integrierten Schalter sind meist weder besonders formschön noch besonders praktisch (wenn man im Dunkeln danach sucht, trifft man selten die richtige Stelle…). Überhaupt sind die meisten Schalter, die man so zu kaufen bekommt nicht gerade eine Augenweide, unsere Lösung: wir machen einen Schalter aus Holz!

Leuchte aus Multiplex

Das Material

Holz war ja wie gesagt ohnehin genug vorhanden. Was brauchten wir sonst noch? Eine Glühbirne, die auch optisch was hermacht. Hier muss ich jetzt mal kurz beichten, dass wir nach längerer Suche eine 60 Watt Glühbirne gekauft haben – mein Öko-Gewissen (ich möchte ja eigentlich dauernd die Welt retten) jault zwar so ein wenig vor sich hin, ich habe mich dann aber damit beruhigt, dass wir sooo oft ja nun auch keine Übernachtungsgäste haben. Und außerdem verbringen diese ja die meiste Zeit mit uns und nicht im Gästezimmer, insofern dürfte sich der Gesamtstromverbrauch durch die Leuchte dann doch eher in Grenzen halten. Gefunden haben wir die Glühbirne (sie musste groß genug sein und matt) dann übrigens bei Manufactum, verkauft werden darf sie nur deshalb, weil sie als besonders stoßfest deklariert ist. Übrigens finde ich, dass nach wie vor kein anderes Leuchtmittel an die Lichtfarbe von Glühbirnen rankommt, höchstens noch Halogenstrahler, die sind aber wiederum vom Energieverbrauch her auch eher nicht so doll. Ich hoffe, da wird sich noch ein bisschen was tun, so dass LED oder Energiesparleuchten künftig nicht mehr so ein trauriges Licht produzieren.

Da ich normales Kabel eher hässlich finde und es sich außerdem immer genau so windet wie man das nicht möchte, haben wir Textilkabel besorgt – gibt es übrigens in unendlich vielen Farben, wir haben uns aber für schlichtes Weiß entschieden.

Der Rest kommt aus dem Baumarkt: eine Fassung für die Birne und ein kleiner unscheinbarer Lichtschalter, der den technischen Part des Ein- und Ausschaltens übernimmt, aber unsichtbar im Innern der Leuchte vor sich hin werkelt. Und zuletzt noch ein kleiner Rundstab aus Buchenholz und ein Stecker.

Leuchte aus Multiplex

Die Umsetzung

Ich sagte schon, dass ich zwei linke Hände habe und eher grobmotorisch veranlagt bin? Zum Glück ist mein Liebster ja nun das genaue Gegenteil, insofern musste ich mir um die Umsetzung keinerlei Gedanken machen. Ich bin selbst ganz hingerissen, mit welcher Präzision er den Leuchtenkörper gebaut hat. Die einzelnen Multiplexplatten sind aufeinander geleimt, im Innern nach Bedarf ausgefräst, mit Bohrungen für Kabel und Schalter versehen und alle Technik entsprechend eingebaut, perfekt! Mir blieb dann nur noch das Mischen von Farben und das Anstreichen der kleinen bunten Holzpinne – das hat übrigens großen Spaß gemacht. Die Pinne werden jetzt in ein Schälchen neben der Lampe gelegt und jeder Gast darf sich dann seine Lieblingsfarbe zum An- und Ausschalten aussuchen :-)

16. April 2014
von mecki
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Das ultimative Wohnbuch von Terence Conran

Heute möchte ich Euch eins meiner Lieblingsbücher zum Thema Wohnen, Möbel und Raum zum Leben vorstellen. Das ultimative Wohnbuch von Terence Conran.

Titel Conran

Der Autor

Terence Conran ist ein englischer Designer (* 1931), der sich unter anderem als Planer, als Buchautor und als Restaurantbesitzer einen Namen gemacht hat. In Deutschland ist er vor allem auch als Gründer des Möbelhauses Habitat bekannt. Ich besitze mittlerweile einige verschiedene Bücher von ihm (Wohnen, Küche, Garten) – allen gemein ist eine pragmatische und unverkrampfte Herangehensweise an die Themen und damit verbunden Ideen, die jenseits von Hochglanzbildern tragfähig sind.

Aufbau und Inhalt des Buches

Das Buch ist in drei Teile gegliedert.

  • Teil 1 Wohnkonzepte
  • Teil 2 Gestalten
  • Teil 3 Materialien und Ausstattung

Im ersten Teil „Wohnkonzepte“ geht es eher um allgemeine Überlegungen: Wie möchte ich wohnen, welche Prioritäten setze ich, wie wichtig ist mir zum Beispiel die Trennung von Wohnen und Arbeiten, welcher Raum hat welche Bedeutung für mich und wie entwickelt sich Wohnraum von der ersten eigenen Wohnung über die Familie bis hin zum „leeren Nest“? Letzere Fragestellung definiert dann auch die Namen der einzelnen Kapitel („Die erste Wohnung“, „Wohnen-Arbeiten“, „Familiennest“ etc.). Ich finde gerade diesen Teil des Buches sehr hilfreich, weil er dazu anregt, sich erst einmal Gedanken über eigene Wünsche und Zielsetzungen zu machen. Und das ist die Vorrausetzung, wenn man einen für sich selbst passenden Lebensraum, jenseits von Dekotrends und hippen Designermöbeln, finden möchte.

Im zweiten Teil „Gestalten“ werden dann bereits ganz konkrete Fragestellungen behandelt. Wobei sowohl organisatorische Themen (z.B. Kaufen, Verkaufen, Mieten etc.) angesprochen werden wie auch gestalterische Themen. Zu Materialen, Farben, Beleuchtung aber auch einzelnen Räumen wie Küche und Bad gibt es grundsätzliche Überlegungen aber auch viele praktische Tipps. Anhand konkreter Beispiele erhält man wertvolle Inspirationen. Ein wenig schwächer ist das Buch, wo es versucht, sehr komplexe, teils technische Themen (zum Beispiel Heizung, Installation) kurz und verständlich zu erklären. Hier kann es naturgemäß nur sehr an der Oberfläche bleiben und man fragt sich, ob da nicht weniger mehr gewesen wäre, denn die spärlichen Informationen zu diesen Themen helfen keinem so recht weiter und sind m.E. in einem Buch, dass sich mit der Gestaltung von Wohnraum beschäftigt auch erst einmal nicht zwingend notwendig.

Der dritte Teil zeigt dann kompakt und nach Themen sortiert verschiedene Materialien, Möbel, Bauteile und Beleuchtung. Gerade für Laien finden sich in diesem Teil wertvolle Informationen, die bei der Entscheidung, welche Materialien man verwenden möchte helfen und den Blick weiten, für Baustoffe etc., die man bisher vielleicht noch nicht kannte.

Conran Beispiel

Was ist das besondere?

Alle drei Teile des Buches sind eine gute Mischung aus größtenteils wirklich fundierten Texten und sehr guten, inspirierenden Bildern. Wenn man sich die Zeit nimmt, die Texte zu lesen, wird man mit deutlich mehr Tiefgang als viele der Einrichtungstrends-Bücher der letzten Jahre mitbringen belohnt. Der Spagat, ein Buch zu schreiben, dass sowohl Fachleute wie auch absolute Laien gerne in die Hand nehmen, ist hier gelungen. Auch nachdem ich das Buch schon einige Jahre besitze (mittlerweile gibt es eine Neuauflage mit geändertem Cover) lese ich immer wieder gerne darin und lasse mich inspirieren. Dies liegt unter anderem daran, dass es Conran gelingt, sehr lebendige und individuelle Lösungen zu präsentieren, die weit jenseits von bloßen Modeerscheinungen, Mainstream und allgemeinen Dekotipps zeigen, dass man auch mit wenig Raum und Fläche zu überzeugenden Lösungen kommen kann. Da ich selbst ein großer Freund von Einbaumöbeln bin und am liebsten für Räume immer nach einer maßgeschneiderten Lösung, die genau auf die bestehende Situation reagiert, suche, gefallen mir persönlich besonders die vielen vielen Beispiele für individuelle Einbaulösungen.

Conran Beispiele

Fazit

Text und Bilder: beides bietet hier viele fundierte Anregungen über die Gestaltung des eigenen Wohnraums nachzudenken. Kleinere Schwächen, wie die etwas oberflächliche Abhandlung komplexerer technischer Themen, fallen daneben nicht zu sehr ins Gewicht. Wer ein Buch sucht, dass auch beim x-ten Mal Lesen nicht langweilig wird, weil es sich nicht im Abbilden etwaiger Modetrends erschöpft, wird hier sicher fündig.

10. April 2014
von mecki
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Sichtbeton – spröde Schönheit

Sichtbeton

Immer wieder erlebe ich ungläubige Blicke beim Thema „Schönheit von Sichtbeton“. Reaktionen wie „und wann streicht ihr eure Wände“ oder „ich möchte doch nicht täglich auf eine graue Betonwand starren“ sind da keine Seltenheit. Daher möchte ich die Gelegenheit nutzen, Euch das Material etwas näher zu bringen.
Zwei Dinge sind es vor allem, die mich an Beton faszinieren: Das ist zum einen die Direktheit, das Unmittelbare des Materials – Beton ist ganz konkret erlebbar (das englische Wort für Beton ist nicht umsonst concrete), der Schaffensprozess ist spürbar, der Schalprozess ablesbar. Aus letzterem erklären sich übrigens auch die ganz unterschiedlichen Qualitäten von Sichtbeton: Es gibt sägerauhe Schalungen, die aus einzelnen ungehobelten Brettern zusammengesetzt werden und damit eine sehr rauhe und ursprüngliche Oberfläche bewirken. Schalelemente aus glatten (Holz-)platten bringen eine deutlich reduziertere Optik mit sich – wie ebenmäßig und sauber die sichtbare Betonfläche ist hängt dabei von weiteren Faktoren ab (Schalhaut, Trennmittel, Zuschlagstoffe etc.). Strukturiert werden die Flächen hierbei durch Fugenstöße sowie durch die Ankerlöcher der Schalelemente (ausführliche und interessante Infos zu Herstellungsweisen etc. findest Du hier. Viele Lesenswertes zum Baustoff an sich gibt es zudem auf dem kavia-blog ). Viele Architekten versuchen eine möglichst makellose Oberfläche und sehr präzise Anordnung von Ankerlöchern und Stößen zu erreichen – ich mag gerade das Zufällige, das Unperfekte, das Rauhe am Beton: schön zu sehen auf den Fotos, die in unserer letzten Wohnung entstanden sind.

Sichtbetonwand

Diese eher sperrige Schönheit wird getragen vom Kontrast – und damit bin ich beim zweiten Punkt, der für mich die Faszination ausmacht: der lebendige Dialog, den der Beton mit seiner Umgebung eingeht. Durch das Nebeneinander von kaltem, grauen Beton und warmen, lebendigen Materialen (Holz, Pflanzen, Farbiges) oder auch ganz reduzierten eher abstrakten Materialien (eine weiße Hochglanzlackierung zum Beispiel) entsteht ein ungeheuer reizvolles Zusammenspiel, die einzelnen Elemente werden in ihrer Wirkung gesteigert. Dieses Zusammenspiel wollte ich auch in unserm Schlafzimmer erreichen: Sichtbeton, Eicheparkett und hochglanzlackiertes Bett – so war der Plan. Eines schönen Tages komme ich auf die Baustelle… da hatte der Maler doch glatt die Wand gestrichen – Sichbeton adé. Nach ein wenig Trauer über die verpasste Chance, sind dann die 5 Bilder vom Anfang des Artikels entstanden, die ab sofort, die Wand über dem Bett – als Reminiszenz an den übermalten Beton- schmückten.

Sichtbeton Materialmix
beton_4

Meine Liebe zum Beton wurde übrigens ganz maßgeblich geprägt durch die Auseinandersetzung mit den Werken von Tadao Ando. Er versteht es meisterhaft mit dem Material umzugehen und seine Bauten strahlen vielfach etwas geradezu poetisches aus. Das ist dann aber Thema für einen eigenen Blog-Artikel, der sicher irgendwann folgen wird. Ein interessantes Interview mit Tadao Ando findet Ihr vorab schon einmal hier.