19. Februar 2015
von mecki
3 Kommentare

Herzlichen Glückwunsch Serie 7!

Fast hätte ich ihn verpasst, den 60. Geburtstag meines Lieblingsstuhl – doch dann rauschte die Tage ein kurzer Artikel durch meine Facebook-Timeline: Serie 7 wird 60 – ja klar, der Entwurf zu einem der bekanntesten (und schönsten) Stühle der Möbeldesign-Geschichte stammt aus dem Jahr 1955. Zeit für eine kleine Hommage.

Ganz zu Beginn meines Blogger-Daseins habe ich ja schon einmal über unsere Exemplare des Stuhls berichtet (ich muss also eigentlich NICHT erneut erwähnen, dass ich die guten Stücke gebraucht für je 5 DM (!) bekommen habe). Und während ich hier schreibe, wird mir gerade klar, dass nicht nur der Stuhl an sich 60 Jahre alt wird, nein, tatsächlich jährt sich der Einstand in meinem Haushalt dieses Jahr zum 20. Mal, Wahnsinn, 20 Jahre hab ich die 4 Stühle nun schon und habe mich noch keine Sekunde dran satt gesehen. Und bequem sind sie, selbst an meinem Schreibtisch, an dem ich ja viele Stunden zubringe, unter anderem mit dem Schreiben von Blogartikeln, nutze ich einen 3107.

Arne Jacobsen Klassiker Serie 7

Ein paar Facts

Arne Jacobsen: * 11.02.1902 in Kopenhagen, war nicht nur ein bedeutender dänischer Möbeldesigner sondern auch ein toller Architekt, sein vielleicht bekanntestes Objekt aus dem Bereich der Architektur ist das SAS Royal Hotel in Kopenhagen – hier hatte er die faszinierende Möglichkeit alles von der Architektur des Gebäudes, über die Möbel bis hin zum Besteck selbst zu entwerfen – welcher Architekt träumt nicht davon

Fritz Hansen: die dänische Möbelfirmamit Sitz in Allerød baut die Serie 7 von Beginn an. Heute ist dieser Stuhl der mit Abstand meistverkaufte Stuhl der Firmengeschichte. Ja, er kostet eine Menge Geld und es gibt (zum Beispiel in Großbritannien) billigere Nachbauten – aber wollen wir das wirklich? Ich bin der Meinung, Urheberrechtsschutz und Fertigungsqualität haben ihren Preis – daher tue ich mich mit solchen Nachbauten schwer – hab aber natürlich mit meinen gebrauchten Schnäppchen auch gut lachen :-)

Material: Der Stuhl wird aus formgepresstem Messerfurnier gefertigt. Es gibt ihn mit und ohne Armlehne (wobei ich die klare Silhouette ohne Lehnen viel schöner finde). Auch die Gestelle aus verchromtem Stahlrohr sind in verschiedenen Ausführungen – so zum Beispiel auch mit Rollen – erhältlich.

Jubiläumsedition 60 Jahre Serie 7: Die Farben der Serie 7 wurden in den vergangenen 60 Jahren immer wieder variiert – kein Wunder, ist doch gerade Farbe etwas, das sehr stark auch vom Zeitgeschmack abhängt. Zum 60. Geburtstag hat Fritz Hansen nun 2 Jubiläumsausgaben auf den Markt gebracht – ich zitiere einfach mal aus dem Pressetext von Fritz Hansen: “ Eine maskuline Edition mit einer dunkelblau lackierten Sitzschale und pulverbeschichteten, brünierten Stuhlbeinen. Und eine feminine Edition in zartrosa lackiertem Gewand und mit Stuhlbeinen, die mit 24 Karat Gold beschichtet sind“ – Mir gefallen die beiden, die sich so subtil ergänzen, aber ich hab ja schon…..

Jubiläumsedition der Serie 7 von Arne Jacobsen, Fritz Hansen

copyright: Fritz Hansen

Noch mehr Möbelgeschichte

Ihr interessiert Euch für Möbelgeschichte, liebt alte Klassiker, ausgefallene Entwürfe, die ihren Zeitgeist wiederspiegeln? Passend zum Thema möchte ich Euch noch ein Buch vorstellen: „moderne Möbel – 150 Jahre Design„, erschienen im Ullmann Verlag. Auf über 700 Seiten findet sich hier eine Sammlung bekannter und nicht ganz so bekannter Möbelentwürfe. In umgekehrt chronologischer Reihenfolge wird für jedes Jahr bis 1899 (wie man da auf die titelgebenden 150 Jahre kommt, ist mir allerdings ein Rätsel?) mindestens eins, meistens mehrere Möbelstücke präsentiert. Die zugehörige Info ist jeweils sehr kurz gehalten, hier hätte ich mir hier und da etwas mehr Tiefe gewünscht. In verschiedenen Kapiteln werden dann wiederum einzelne Themen ausführlicher behandelt, gut! Anders als der Name vermuten lässt, ist das Buch auch mehr eine Reise durch die Geschichte des Stuhldesigns, andere Möbelstücke finden sich eher selten, sind aber hier und da auch vertreten. Designliebhaber werden viele alte Bekannte entdecken, vom String-Regal, über den Eams’schen Plastic-chair (guckt mal bei Cora vorbei, die hat diesem tollen Stuhl gerade einen Artikel und ein Muster gewidmet), bis hin zu eben jenem bekannten Serie 7 Stuhl von Jacobsen. Daneben gibt es aber auch viel Unbekanntes zu entdecken, so warten zum Beispiel die 70-er Jahre mit vielen teils kuriosen Entwürfen auf, die sicher kein Potenzial zur Massentauglichkeit besitzen aber die Designgeschichte dennoch mitprägten. Alles in allem ein Buch, dem zwar hier und da etwas der Tiefgang fehlt, in dem ich aber immer wieder gerne blättere und staune.

Moderne Möbel 150 Jahre Design Ullmann Verlag

 

5. Januar 2015
von mecki
2 Kommentare

Wohnkomplex – warum wir andere Häuser brauchen

Der Untertitel meines Blogs „architektur raum möbel und mehr“ sagt es ja schon: Hier gehts um Themen rund um das Wohnen. Und wenn Ihr öfter mitlest, wisst Ihr: Ich liebe es, Alltagsgegenstände, Wohnraum und alles was damit zutun hat zu gestalten. Dabei merke ich immer wieder, dass mich mehr interessiert, als die Oberfläche der Dinge, mehr als die reine Form. Auch die Themen, wie wollen wir eigentlich leben, wie kann Wohnen in Zukunft aussehen, wie kann Architektur Antworten geben auf wichtige Fragen liegen mir am Herzen. Und so musste ich, als ich noch im alten Jahr in einer Buchhandlung das Buch mit dem Titel „Wohnkomplex – warum wir andere Häuser brauchen“ von Niklas Maak entdeckte, zugreifen. Denn der Titel verspricht Spannendes zu genau den Fragen, die ich mir immer wieder gerne stelle.

Wohnkomplex von Niklas Maak

Das Buch

In 11 Kapiteln beleuchtet der Autor das Thema aus verschiedenen Perspektiven. Viele Fragen werden aufgeworfen. Im Mittelpunkt steht dabei zunächst die Zukunftstauglichkeit des Einfamilienhauses – zu teuer, immenser Flächenverbrauch und zudem „eine Hülle für Lebensentwürfe die es nicht mehr gibt“. Am anderen Ende dieser Entwicklung stehen die Innenstädte, die einem enormen Gentrifizierungsprozess unterliegen und aus denen Wohnen zunehmend verdrängt wird – „begehrbares Anlagedepot“: Ein schönes Beispiel für die bildhafte und pointierte Sprache des Autors.

Der Status Quo wird aus oftmals überraschenden Blickwinkeln beleuchtet: Was sagt ein Fenster über unsere Art zu Wohnen aus, ein Auto oder gar ein Sofa? Ein historischer Ausflug in die Entwicklung des Wohnens ist informativ und spannend und umfasst wirtschaftliche, gesellschaftliche sowie politische Aspekte.

Bei der Beschreibung des Status Quo bleibt Maak jedoch nicht stehen. Die Frage nach der Zukunft des Wohnens verknüpft er eng mit Fragen danach wie viel Privatheit brauchen wir, was ist privat, was öffentlich, wie können wir zusammenleben, was können wir teilen und woran sind frühere Formen des kollektiven Wohnens gescheitert? Auch konkrete Projekte werden vorgestellt. Kenntnisreich geht der Blick dabei oftmals nach Japan – die Japaner, die über deutlich weniger Fläche verfügen, sind beim Thema verdichtetes Bauen und neue Wohnformen ein ganzes Stück weiter als wir hier in Europa. Dabei werden mit den vorgestellten Projekten weniger konkrete Antworten als neue Denkanstöße gegeben. Übrigens schade, dass die zugehörigen Fotos nur sehr klein sind – so ist es oft schwer, sich konkrete Beispiele wirklich vorzustellen oder diese zu beurteilen.

Wohnkomplex von Niklas Maak

Fazit

Niklas Maak gelingt es, ein hoch aktuelles Thema verständlich und unterhaltsam aufzubereiten. Dabei richtet sich sein Buch ganz sicher nicht nur an Architekten (für die es aber unbedingt lesenswert ist) sondern besonders auch an Laien. Die Stärke des Buches ist es nicht, Antworten zu geben sondern Fragen zu stellen. Mich regt das Buch an, weiter zu denken – über politische Prozesse, über Ökologie und Ökonomie aber auch über meine eigenen Vorstellungen zum Wohnen im ganz persönlichen Rahmen. Es bleibt spannend!

22. Mai 2014
von mecki
Kommentare deaktiviert für Garten selbst planen? – Gartendesign von John Brookes

Garten selbst planen? – Gartendesign von John Brookes

Die Sonne lacht, die Natur gibt alles und im Garten grünt und blüht es bereits um die Wette. Da bekommt vielleicht der ein oder andere Lust, sich mit dem Thema Gartengestaltung näher auseinanderzusetzen und den eigenen Garten gestalterisch ein wenig zu optimieren.

Über unsere Gartenplanung hatte ich ja schon einmal ausführlich berichtet, auch darüber, dass ich mich in das Thema „wie plane ich einen Garten“ erst rein denken musste. Bei sowas können gute Bücher einem ungemein helfen. Und so habe ich mir damals  viele Bücher angesehen – eins was mir besonders gut gefällt möchte ich Euch heute vorstellen.

John Brooks - Gartendesign

Der Autor

John Brookes ist ein bekannter Gartendesigner der – wie könnte es anders sein – aus dem Mutterland des Gartenbaus, aus England kommt. Neben seiner Tätigkeit als Gartenplaner (sehr bekannt ist zum Beispiel sein eigener Garten Denmans Garden) schreibt er viele Bücher und ist auch als Dozent tätig – mittlerweile kann man bei ihm sogar Online-Kurse zum Thema Gartengestaltung buchen.

Aufbau und Inhalt des Buches

Das Buch ist in 11 Kapitel gegliedert, die sich jeweils mit einem Aspekt der Gartenplanung beschäftigen (z.B. Form, Richtung, Umfriedung, Eingang, Bepflanzung etc.). Alle Kapitel werden mit vielen Bilder und Skizzen ergänzt. Die Bilder zeigen tolle Beispiele von teils wunderschönen Gärten, die Skizzen erläutern oft anschaulich, wie sich eine Planung entwickelt und machen Mut, selbst den Bleistift zur Hand zu nehmen.

Brooks gibt viele spannende Einblicke in die Geschichte des Gartenbaus und viele Hintergrundinformationen zu den verschiedenen Aspekten der Gartenplanung. Besonders interessant und inspirierend fand ich die Überlegungen, wie ein Garten sich in seine Umgebung einfügt. Damit ist das Buch viel mehr als eine einfache ToDo-Liste für angehende Gartenbesitzer – es regt an, sich mit der Umgebung, den eigenen Gegebenheiten, dem Zusammenspiel von Architektur und Garten, den eigenen Wünschen für den Garten und den Materialien auseinanderzusetzen. Wenn man sich darauf einlässt, merkt man schnell, das die Planung eines Gartens eine wirklich spannende und vielfältige Angelegenheit ist.

John Brooks - Gartendesign

Fazit

Mir hat das Buch sehr geholfen, einen Zugang zum Thema Gartenplanung zu bekommen. Sowohl Text wie auch Bilder machen Lust auf eigene Entwürfe. Was die Bepflanzung angeht, gibt es auch dazu tolles Bildmaterial – ein Nachschlagewerk mit detailierten Informationen, welche Pflanze sich wofür eignet usw. ist diese Buch aber definitiv nicht.Von John Brookes gibt es übrigens ein weiteres Buch: Kleine Gärten – große Wirkung.  Auch dieses hat mich beim Durchblättern überzeugt mit tollen Bildern und sinnvollen Anregungen zum Planen kleiner Gärten.

Allen, die einen Garten ihr eigen nennen wünsche ich viel Spaß bei der Planung und vielleicht kann Euch das Buch von John Brookes, genau wie mir, ja ein wenig Inspiration und Ideen geben. Hier wird es demnächst sicher nochmal ein paar Bilder von unserem Garten, der mittlerweile schon seine erste Relaunch hinter sich hat, geben.

10. Mai 2014
von mecki
8 Kommentare

Alain de Botton – Glück und Architektur

Blogs, die sich mit Möbeln, Einrichtung, Architektur und Design auseinandersetzen gibt es ja wie Sand am Meer. Als Leser und erst recht als Schreiber solcher Blogs beschäftigen wir uns tagtäglich mit der Gestaltung unserer Lebensräume. Für mich selbst kommt da immer mal wieder die Frage auf, welche Relevanz diese Themen eigentlich wirklich haben – ist das alles nur Chichi, Ausdruck einer übersättigten und gelangweilten Wohlstandgesellschaft, die nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten sucht? Oder steckt hinter der Gestaltung von gebauter Umwelt und Wohnraum und der Auseinandersetzung damit doch mehr, gar Tiefergehendes?

Ein Buch, das sich mit dieser Frage auf spannende und unterhaltsame Weise auseinandersetzt möchte ich Euch heute vorstellen:

Glück und Architektur – Von der Kunst, daheim zu Hause zu sein. Autor ist der in England lebende Schweizer Philosoph Alain de Botton. Vielversprechend, dass ein Autor aus einem ganz anderen Blickwinkel zu diesem Thema schreibt.

Alain de Botton Glück und Architektur

Inhalt

Direkt im ersten Kapitel mit Namen „die Bedeutung der Architektur“ geht de Botton in die Vollen – wenn gleich oftmals fast im unterhaltsamen Plauderton geschrieben, wirft er Fragen auf, die eine ganze Menge Nachdenkpotential mitbringen.

„Der Glaube an die Bedeutung der Architektur setzt nicht nur die Annahme voraus, dass wir – ob wir wollen oder nicht – an einem anderen Ort ein anderer Mensch sind, sondern auch die Überzeugung, dass es Aufgabe der Architektur ist, uns vor Augen zu halten, wer wir im Idealfall wären.“

Solche und ähnliche Sätze formulieren einen hohen Anspruch an die Architektur, dessen Erfüllung durch selbige aber auch immer wieder in Frage gestellt wird.

„In welchem Stil sollen wir bauen?“ ist das zweite Kapitel überschrieben und bietet einen abwechslungsreichen und eloquent geschriebenen Spaziergang durch die Baugeschichte. In Ansätzen wird klar, warum wir uns heute so schwer tun bei der Definition von Schönheit – ein Problem, das andere Jahrhunderte so nicht kannten. Auch philosophisches, nachdenkenswertes findet sich wieder – Gebäude, gestaltete Dinge reden darüber wie wir leben möchten. Die Frage, die die Kapitelüberschrift stellt, wird nicht wirklich beantwortet – überhaupt ist es, denke ich, eher die Stärke des Buches, Fragen zu stellen, denn Antworten zu geben.

Kapitel drei „sprechende Gebäude“ lädt ein, einen neuen anderen Blick auf Gebäude und Umwelt zu werfen und weckt Assoziationen, auf die man (oder ich) von selbst oft nicht gekommen wäre, die aber in ihrer Bildhaftigkeit oftmals überraschend einleuchtend sind. Wie das ganze Buch ist auch dieses Kapitel reich bebildert mit schönen und anschaulichen Beispielen aus Kunst, Möbeldesign und Architektur.

Das vierte Kapitel mit der schönen Überschrift „Ideale des Daheimseins“ möchte ich Euch mit einem Zitat daraus vorstellen:

„Der Hang zur Architektur scheint im Kern vielmehr mit dem Wunsch nach Kommunikation und Angedenken verknüpft zu sein, dem Wunsch, sich der Welt durch ein anderes Medium als das der Worte zu erklären, durch die Sprache der Dinge, Farben und Ziegelsteine: das Bestreben, anderen Menschen zu zeigen, wer wir sind – und uns im Zuge dessen selbst daran zu erinnern.“

Im folgenden fünften Kapitel „Die Tugenden von Gebäuden“ zeigt de Botton treffende Beispiele aus unterschiedlichen Epochen und behandelt mit Sachverstand und einer Prise Humor Themen wie Ordnung, Balance, Eleganz und Koheränz.

Alain de Botton Glück und Architektur

Fazit

Für mich hat das Buch vielerlei Anregungen zum Nachdenken gegeben. Die Auseinandersetzung mit der Frage, warum ich (und viele andere Gestalter, Blogger usw.) mich immer wieder so intensiv mit der Gestaltung von Raum beschäftige und was Architektur für uns bedeutet wird hier auf gut lesbare und unterhaltsame – und dennoch nicht oberflächliche – Weise aus einem ganz anderen Blickwinkel beleuchtet. Welchen Einfluss nimmt die Architektur auf unser Leben? Was macht die Qualität von Räumen aus?  In welchem Kontext gestalten wir Umwelt? All diese Fragen werden zwar nicht abschließend beantwortet, aber aus erfrischenden Perspektiven beleuchtet und bieten so Anregung, selbst über das eigene Tun und die eigenen Räume nachzudenken. In meinen Augen eine empfehlenswerte Lektüre für alle die sich für die Gestaltung unserer gebauten Welt interessieren.

Und nun komme ich nochmal zu meiner Ausgangsfrage zurück: Was denkt Ihr, was treibt Euch an? Welche Bedeutung hat Architektur, die Gestaltung eines Zuhauses für Euch?

16. April 2014
von mecki
Kommentare deaktiviert für Das ultimative Wohnbuch von Terence Conran

Das ultimative Wohnbuch von Terence Conran

Heute möchte ich Euch eins meiner Lieblingsbücher zum Thema Wohnen, Möbel und Raum zum Leben vorstellen. Das ultimative Wohnbuch von Terence Conran.

Titel Conran

Der Autor

Terence Conran ist ein englischer Designer (* 1931), der sich unter anderem als Planer, als Buchautor und als Restaurantbesitzer einen Namen gemacht hat. In Deutschland ist er vor allem auch als Gründer des Möbelhauses Habitat bekannt. Ich besitze mittlerweile einige verschiedene Bücher von ihm (Wohnen, Küche, Garten) – allen gemein ist eine pragmatische und unverkrampfte Herangehensweise an die Themen und damit verbunden Ideen, die jenseits von Hochglanzbildern tragfähig sind.

Aufbau und Inhalt des Buches

Das Buch ist in drei Teile gegliedert.

  • Teil 1 Wohnkonzepte
  • Teil 2 Gestalten
  • Teil 3 Materialien und Ausstattung

Im ersten Teil „Wohnkonzepte“ geht es eher um allgemeine Überlegungen: Wie möchte ich wohnen, welche Prioritäten setze ich, wie wichtig ist mir zum Beispiel die Trennung von Wohnen und Arbeiten, welcher Raum hat welche Bedeutung für mich und wie entwickelt sich Wohnraum von der ersten eigenen Wohnung über die Familie bis hin zum „leeren Nest“? Letzere Fragestellung definiert dann auch die Namen der einzelnen Kapitel („Die erste Wohnung“, „Wohnen-Arbeiten“, „Familiennest“ etc.). Ich finde gerade diesen Teil des Buches sehr hilfreich, weil er dazu anregt, sich erst einmal Gedanken über eigene Wünsche und Zielsetzungen zu machen. Und das ist die Vorrausetzung, wenn man einen für sich selbst passenden Lebensraum, jenseits von Dekotrends und hippen Designermöbeln, finden möchte.

Im zweiten Teil „Gestalten“ werden dann bereits ganz konkrete Fragestellungen behandelt. Wobei sowohl organisatorische Themen (z.B. Kaufen, Verkaufen, Mieten etc.) angesprochen werden wie auch gestalterische Themen. Zu Materialen, Farben, Beleuchtung aber auch einzelnen Räumen wie Küche und Bad gibt es grundsätzliche Überlegungen aber auch viele praktische Tipps. Anhand konkreter Beispiele erhält man wertvolle Inspirationen. Ein wenig schwächer ist das Buch, wo es versucht, sehr komplexe, teils technische Themen (zum Beispiel Heizung, Installation) kurz und verständlich zu erklären. Hier kann es naturgemäß nur sehr an der Oberfläche bleiben und man fragt sich, ob da nicht weniger mehr gewesen wäre, denn die spärlichen Informationen zu diesen Themen helfen keinem so recht weiter und sind m.E. in einem Buch, dass sich mit der Gestaltung von Wohnraum beschäftigt auch erst einmal nicht zwingend notwendig.

Der dritte Teil zeigt dann kompakt und nach Themen sortiert verschiedene Materialien, Möbel, Bauteile und Beleuchtung. Gerade für Laien finden sich in diesem Teil wertvolle Informationen, die bei der Entscheidung, welche Materialien man verwenden möchte helfen und den Blick weiten, für Baustoffe etc., die man bisher vielleicht noch nicht kannte.

Conran Beispiel

Was ist das besondere?

Alle drei Teile des Buches sind eine gute Mischung aus größtenteils wirklich fundierten Texten und sehr guten, inspirierenden Bildern. Wenn man sich die Zeit nimmt, die Texte zu lesen, wird man mit deutlich mehr Tiefgang als viele der Einrichtungstrends-Bücher der letzten Jahre mitbringen belohnt. Der Spagat, ein Buch zu schreiben, dass sowohl Fachleute wie auch absolute Laien gerne in die Hand nehmen, ist hier gelungen. Auch nachdem ich das Buch schon einige Jahre besitze (mittlerweile gibt es eine Neuauflage mit geändertem Cover) lese ich immer wieder gerne darin und lasse mich inspirieren. Dies liegt unter anderem daran, dass es Conran gelingt, sehr lebendige und individuelle Lösungen zu präsentieren, die weit jenseits von bloßen Modeerscheinungen, Mainstream und allgemeinen Dekotipps zeigen, dass man auch mit wenig Raum und Fläche zu überzeugenden Lösungen kommen kann. Da ich selbst ein großer Freund von Einbaumöbeln bin und am liebsten für Räume immer nach einer maßgeschneiderten Lösung, die genau auf die bestehende Situation reagiert, suche, gefallen mir persönlich besonders die vielen vielen Beispiele für individuelle Einbaulösungen.

Conran Beispiele

Fazit

Text und Bilder: beides bietet hier viele fundierte Anregungen über die Gestaltung des eigenen Wohnraums nachzudenken. Kleinere Schwächen, wie die etwas oberflächliche Abhandlung komplexerer technischer Themen, fallen daneben nicht zu sehr ins Gewicht. Wer ein Buch sucht, dass auch beim x-ten Mal Lesen nicht langweilig wird, weil es sich nicht im Abbilden etwaiger Modetrends erschöpft, wird hier sicher fündig.