1. Juni 2014
von mecki
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Eine Liebeserklärung an Holland und die Nordsee

Es gibt sicher aufregendere Urlaubsgebiete, Orte mit besserem Wetter, beeindruckendere Landschaften und ganz gewiss Länder, die kulinarisch mehr zu bieten haben – und dennoch, wenn ich nicht einmal im Jahr an der holländischen Nordsee bin, fehlt mir etwas. Solange ich denken kann, ist Holland und die Nordsee ein Sehnsuchtsort für mich. Kaum angekommen, fühle ich mich wohl, möchte am liebsten auf ewig bleiben und kann noch nicht einmal genau sagen, was es eigentlich ausmacht, es ist die Mischung: die Unendlichkeit der See, der Wind, der Geruch des Meeres (hin und wieder gemischt mit dem der leckeren holländischen Pommes), die Aufgeschlossenheit der Menschen, die Schönheit der Städte, die Ruhe der kleinen Dörfer und die Weite der Landschaft, ja selbst die Sprache, oft so bildhaft und das holländische Lebensgefühl vermittelnd, mag ich.

holland

Oostkapelle und eine tolle Unterkunft

Diese Woche hatten wir das Glück, 4 Tage in Oostkapelle auf Walcheren zu verbringen. Walcheren ist eine Halbinsel ganz im südwestlichen Zipfel der Niederlande zur Provinz Zeeland gehörend. In Oostkapelle hatten wir eine hübsche Ferienwohnung bei sehr netten Vermietern gebucht – ein echter Glücksfall. Eigentlich wollte ich Euch ein paar Fotos des Hauses zeigen, nur wenn man das fotografieren vergisst, ist das leider ein wenig schwierig. Aber schaut einfach selbst hier, da findet Ihr alle relevanten Informationen über die Unterkunft – ein echter Tip und ein Beweis, dass die Holländer nicht nur alte Architektur können.

Holland – Fahrradland

Natürlich hatten wir unsere Räder mit. Rad fahren in Holland hat etwas ungemein Entspanntes – man braucht eigentlich nie auf eine Karte zu gucken, weil es unglaublich viele und gut platzierte Hinweisschilder gibt, die Radwege sind toll ausgebaut, sowohl auf dem Land wie auch in den Städten und die Autofahrer sind sowas von rücksichtsvoll, da können wir hier nur von träumen. Auf Walcheren ist alles recht übersichtlich, so kann man im Grunde genommen einfach auf gut Glück losfahren und die Beschilderungen nutzen. Eine besonders schöne Strecke führt von Oostkapelle entlang der bewaldeten Küste nach Veere. Oder man startet von Oostkapelle Richtung Landesinnere nach Aagtekerke – ein hübsches Dorf, mit dem typischen zentralen Kirchplatz, der rund um die Kirche liegt und von kleinen Häusern umstanden ist. Dann weiter über Meliskerke nach Biggekerke (für mich mit seinem wunderhübschen Kirchplatz das schönste Dorf der Insel), Zoutelande (ein typischer Touristenort, der mit den höchsten Dünen aufwarten kann), von da aus weiter über einen schönen Radweg mitten durch die Dünen nach Westkapelle an der Spitze der Halbinsel und dann nach Domburg, einem alten Seebad, das in den letzten Jahren zunehmend wieder in altem Glanz erstrahlt. Von da aus geht es dann durch „de Manteling“ ein bewaldetes Naturschutzgebiet in den Dünen mit teils bizarr geformten Eichen.

Walcheren

Karte Jan-Willem van Aalst, Bearbeitung. M. Schwetje

Wer ausgearbeitete Routen bevorzugt findet hier eine schöne Tour und auch hier jede Menge Material.

 Das Meer, die Dünen und Strandkörbe auf holländisch

Die Nordsee mit ihren Wellen, ihren oftmals sehr gedeckten Farben, dem Wind und dem Rauschen und dem ganz speziellen Geruch – all diese Sinneseindrücke in einem Foto einzufangen: fast unmöglich, dennoch versuche ich es immer wieder (dieses Jahr wurden sämtliche Fotoversuche noch durch viele Regenschauer erschwert – Regen und meine Kamera mögen sich gar nicht, wenn gleich ich Regenspaziergänge am Strand mag).

Nordsee bei Domburg

Die Strände auf Walcheren haben große Flächen aus feinem Sand – wer also Strandurlaub mag, kommt hier auf seine Kosten. Mir gefallen besonders auch die Dünenlandschaften, mit ihrer Tier- und Pflanzenwelt, die so ganz anders sind als unsere heimischen Mittelgebirge.

Dünen Domburg und Oostkapelle

Was dem Deutschen sein Strandkorb ist, ist dem Holländer seine Strandkabine – aufgereiht am Fuß der Düne, kann man diese, genau wie Strandkörbe, mieten und alles was man so für einen glücklichen Strandtag braucht, darin unterbringen. Kilometerlang kann man am Strand entlang laufen und findet immer neue Varianten – mal liebevoll gestaltet, mal etwas runtergekommen, immer ein wenig vielfältiger als die deutschen Strandkörbe.

Strandkabinen bei Oostkapelle

Große Liebe – holländische Architektur

Wenn ich durch holländische Städte und Dörfer laufe, bekomme ich regelmäßig dieses „genau hier möchte ich wohnen“-Gefühl. Was ist es nur, was die holländische Architektur und den Städtebau so besonders macht? Ich lasse einfach Bilder sprechen und zeige Euch ein paar Häuser, die ich alle entlang des Hafens von Veere fotografiert habe.

veere Hafen Architektur

Die Häuser sind meist eher klein, aber von jeher recht großzügig mit Fenstern ausgestattet, oft erstreckt sich das Erdgeschoss in einem Raum von der Straße bis zum Garten, so dass der Innenraum, trotz der für unsere Verhältnisse eher kleinen Fläche, großzügig ist. Im Material (Klinker) und Grundausprägung recht einheitlich, so dass ein zusammenhängender städtebaulicher Raum auch als solcher wahrnehmbar ist, findet die Differenzierung in liebevoll gestalteten Details (der Giebel, der Türen etc.) statt und alles kommt so natürlich und selbstverständlich daher, als müsste es genau so und nicht anders sein. Ich könnte stundenlang gucken, mich in Details verlieren und mich in die dahinterliegenden Wohnungen träumen.

Veere – ein Besuch lohnt sich

Eine der Städte auf Walcheren, die wirklich einen Besuch wert sind ist Veere. Am Veerse Meer (in Holland ist Meer = See und Zee = Meer, das Veerse Meer ist also ein Binnensee, abgeschlossen vom Meer durch den Veerse Dam) gelegen, bietet Veere wunderschöne kleine Gassen und Plätze, eine alles überragende beeindruckende Groote Kerk, für die Freunde des Wassersports einen Jachthafen und ganz viel Hollandfeeling pur.

Veere groote Kerk

Ewig lang kann ich mich hier ziellos durch die Straßen treiben lassen und mich an den vielen schönen Details erfreuen und die Atmosphäre mit allen Sinnen genießen.

Veere Architektur Kunst

Holland – ich komme wieder, spätestens nächstes Jahr!

10. Mai 2014
von mecki
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Alain de Botton – Glück und Architektur

Blogs, die sich mit Möbeln, Einrichtung, Architektur und Design auseinandersetzen gibt es ja wie Sand am Meer. Als Leser und erst recht als Schreiber solcher Blogs beschäftigen wir uns tagtäglich mit der Gestaltung unserer Lebensräume. Für mich selbst kommt da immer mal wieder die Frage auf, welche Relevanz diese Themen eigentlich wirklich haben – ist das alles nur Chichi, Ausdruck einer übersättigten und gelangweilten Wohlstandgesellschaft, die nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten sucht? Oder steckt hinter der Gestaltung von gebauter Umwelt und Wohnraum und der Auseinandersetzung damit doch mehr, gar Tiefergehendes?

Ein Buch, das sich mit dieser Frage auf spannende und unterhaltsame Weise auseinandersetzt möchte ich Euch heute vorstellen:

Glück und Architektur – Von der Kunst, daheim zu Hause zu sein. Autor ist der in England lebende Schweizer Philosoph Alain de Botton. Vielversprechend, dass ein Autor aus einem ganz anderen Blickwinkel zu diesem Thema schreibt.

Alain de Botton Glück und Architektur

Inhalt

Direkt im ersten Kapitel mit Namen „die Bedeutung der Architektur“ geht de Botton in die Vollen – wenn gleich oftmals fast im unterhaltsamen Plauderton geschrieben, wirft er Fragen auf, die eine ganze Menge Nachdenkpotential mitbringen.

„Der Glaube an die Bedeutung der Architektur setzt nicht nur die Annahme voraus, dass wir – ob wir wollen oder nicht – an einem anderen Ort ein anderer Mensch sind, sondern auch die Überzeugung, dass es Aufgabe der Architektur ist, uns vor Augen zu halten, wer wir im Idealfall wären.“

Solche und ähnliche Sätze formulieren einen hohen Anspruch an die Architektur, dessen Erfüllung durch selbige aber auch immer wieder in Frage gestellt wird.

„In welchem Stil sollen wir bauen?“ ist das zweite Kapitel überschrieben und bietet einen abwechslungsreichen und eloquent geschriebenen Spaziergang durch die Baugeschichte. In Ansätzen wird klar, warum wir uns heute so schwer tun bei der Definition von Schönheit – ein Problem, das andere Jahrhunderte so nicht kannten. Auch philosophisches, nachdenkenswertes findet sich wieder – Gebäude, gestaltete Dinge reden darüber wie wir leben möchten. Die Frage, die die Kapitelüberschrift stellt, wird nicht wirklich beantwortet – überhaupt ist es, denke ich, eher die Stärke des Buches, Fragen zu stellen, denn Antworten zu geben.

Kapitel drei „sprechende Gebäude“ lädt ein, einen neuen anderen Blick auf Gebäude und Umwelt zu werfen und weckt Assoziationen, auf die man (oder ich) von selbst oft nicht gekommen wäre, die aber in ihrer Bildhaftigkeit oftmals überraschend einleuchtend sind. Wie das ganze Buch ist auch dieses Kapitel reich bebildert mit schönen und anschaulichen Beispielen aus Kunst, Möbeldesign und Architektur.

Das vierte Kapitel mit der schönen Überschrift „Ideale des Daheimseins“ möchte ich Euch mit einem Zitat daraus vorstellen:

„Der Hang zur Architektur scheint im Kern vielmehr mit dem Wunsch nach Kommunikation und Angedenken verknüpft zu sein, dem Wunsch, sich der Welt durch ein anderes Medium als das der Worte zu erklären, durch die Sprache der Dinge, Farben und Ziegelsteine: das Bestreben, anderen Menschen zu zeigen, wer wir sind – und uns im Zuge dessen selbst daran zu erinnern.“

Im folgenden fünften Kapitel „Die Tugenden von Gebäuden“ zeigt de Botton treffende Beispiele aus unterschiedlichen Epochen und behandelt mit Sachverstand und einer Prise Humor Themen wie Ordnung, Balance, Eleganz und Koheränz.

Alain de Botton Glück und Architektur

Fazit

Für mich hat das Buch vielerlei Anregungen zum Nachdenken gegeben. Die Auseinandersetzung mit der Frage, warum ich (und viele andere Gestalter, Blogger usw.) mich immer wieder so intensiv mit der Gestaltung von Raum beschäftige und was Architektur für uns bedeutet wird hier auf gut lesbare und unterhaltsame – und dennoch nicht oberflächliche – Weise aus einem ganz anderen Blickwinkel beleuchtet. Welchen Einfluss nimmt die Architektur auf unser Leben? Was macht die Qualität von Räumen aus?  In welchem Kontext gestalten wir Umwelt? All diese Fragen werden zwar nicht abschließend beantwortet, aber aus erfrischenden Perspektiven beleuchtet und bieten so Anregung, selbst über das eigene Tun und die eigenen Räume nachzudenken. In meinen Augen eine empfehlenswerte Lektüre für alle die sich für die Gestaltung unserer gebauten Welt interessieren.

Und nun komme ich nochmal zu meiner Ausgangsfrage zurück: Was denkt Ihr, was treibt Euch an? Welche Bedeutung hat Architektur, die Gestaltung eines Zuhauses für Euch?

21. April 2014
von mecki
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Bauhaus an der Wand

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Jeder der sich für Architektur, Möbel, Gestaltung usw. interessiert wird wohl früher oder später – eher früher – über das Bauhaus stolpern – so vieles in der Architektur der letzten 90 Jahre, im Möbelbau und im Produktdesign hat seine Ursprünge in den Ideen des Bauhauses. Sehr verbreitet ist es ja (besonders unter Immobilienmaklern) vom sogenannten „Bauhausstil“ zu sprechen. Das Bauhaus war aber genau das nie – viel mehr ein umfassenderer Ansatz das Leben und die Umwelt zu gestalten, eine Idee oder viele Ideen, eine spannende Schule für Gestaltung , für Architektur: all das war das Bauhaus aber ganz sicher kein fragwürdiger „Stil“, der sich in der Verwendung von Flachdächern, weißen Wänden und schmalen Fensterbändern erschöpft. Auch mich hat das Bauhaus und seine Ideen während des Studiums und danach geprägt. Das wurde mir diesen Sommer nochmals sehr bewusst, als ich zum ersten Mal die Gelegenheit hatte, das Bauhausgebäude in Dessau live zu erleben. Es ist heute Sitz der Stiftung Bauhaus, die sich der Erforschung und Vermittlung des Bauhauserbes widmet. Wir konnten an einer wunderbaren, sehr lebendigen und sehr informativen Führung durch die beeindruckenden und auch heute noch sehr aktuellen Gebäude teilnehmen.

Ich liebe ja Bücher – und erst recht Bücher, die sich den schönen Dingen widmen. So führte der Weg anschließend natürlich noch in den gut sortierten Museumsshop. Statt Büchern habe ich dann einige sehr schöne Plakate gekauft und ein Memory – dieses sollte eigentlich ein Mitbringsel für einen kleinen Memoryfan sein.

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Zuhause angekommen konnte ich mich dann aber gar nicht von den wirklich schön gemachten Memorykarten, die Gebäude, Möbel, Lampen etc. des Bauhauses zeigen, trennen. Nach ein wenig Überlegung war klar: Das Ding muss an die Wand. Eine Sperrholzplatte in 2 m Länge war schnell gekauft und mit weißer Acrylfarbe gestrichen. Die einzelnen Memorykarten kleben jeweils auf einem kleineren Stückchen Kappa-Platte, so dass sie sich dreidimensional vom Untergrund abheben – das sieht gut aus und gibt einen schönen räumlichen Effekt. Mit Hilfe von ein paar Schablonen war es auch recht einfach, das Ganze hinreichend genau zu fixieren. Und nun kann ich mich täglich an ganz vielen Bauhaus-Details erfreuen.

 

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Ein Besuch in Dessau lohnt wirklich. Sogar übernachten kann man im ehemaligen Ateliergebäude (das werde ich dann das nächste Mal testen). Neben dem eigentlichen Bauhausgebäude kann man auch die Meisterhäuser besichtigen, ein wenig Zeit solltet Ihr also schon einplanen. Wer übrigens nach Dessau fährt: Es gibt ein weiteres Highlight für Architektur-Interessierte: das Gebäude des Bundesumweltamtes ist ebenfalls sehenswert.

16. April 2014
von mecki
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Das ultimative Wohnbuch von Terence Conran

Heute möchte ich Euch eins meiner Lieblingsbücher zum Thema Wohnen, Möbel und Raum zum Leben vorstellen. Das ultimative Wohnbuch von Terence Conran.

Titel Conran

Der Autor

Terence Conran ist ein englischer Designer (* 1931), der sich unter anderem als Planer, als Buchautor und als Restaurantbesitzer einen Namen gemacht hat. In Deutschland ist er vor allem auch als Gründer des Möbelhauses Habitat bekannt. Ich besitze mittlerweile einige verschiedene Bücher von ihm (Wohnen, Küche, Garten) – allen gemein ist eine pragmatische und unverkrampfte Herangehensweise an die Themen und damit verbunden Ideen, die jenseits von Hochglanzbildern tragfähig sind.

Aufbau und Inhalt des Buches

Das Buch ist in drei Teile gegliedert.

  • Teil 1 Wohnkonzepte
  • Teil 2 Gestalten
  • Teil 3 Materialien und Ausstattung

Im ersten Teil „Wohnkonzepte“ geht es eher um allgemeine Überlegungen: Wie möchte ich wohnen, welche Prioritäten setze ich, wie wichtig ist mir zum Beispiel die Trennung von Wohnen und Arbeiten, welcher Raum hat welche Bedeutung für mich und wie entwickelt sich Wohnraum von der ersten eigenen Wohnung über die Familie bis hin zum „leeren Nest“? Letzere Fragestellung definiert dann auch die Namen der einzelnen Kapitel („Die erste Wohnung“, „Wohnen-Arbeiten“, „Familiennest“ etc.). Ich finde gerade diesen Teil des Buches sehr hilfreich, weil er dazu anregt, sich erst einmal Gedanken über eigene Wünsche und Zielsetzungen zu machen. Und das ist die Vorrausetzung, wenn man einen für sich selbst passenden Lebensraum, jenseits von Dekotrends und hippen Designermöbeln, finden möchte.

Im zweiten Teil „Gestalten“ werden dann bereits ganz konkrete Fragestellungen behandelt. Wobei sowohl organisatorische Themen (z.B. Kaufen, Verkaufen, Mieten etc.) angesprochen werden wie auch gestalterische Themen. Zu Materialen, Farben, Beleuchtung aber auch einzelnen Räumen wie Küche und Bad gibt es grundsätzliche Überlegungen aber auch viele praktische Tipps. Anhand konkreter Beispiele erhält man wertvolle Inspirationen. Ein wenig schwächer ist das Buch, wo es versucht, sehr komplexe, teils technische Themen (zum Beispiel Heizung, Installation) kurz und verständlich zu erklären. Hier kann es naturgemäß nur sehr an der Oberfläche bleiben und man fragt sich, ob da nicht weniger mehr gewesen wäre, denn die spärlichen Informationen zu diesen Themen helfen keinem so recht weiter und sind m.E. in einem Buch, dass sich mit der Gestaltung von Wohnraum beschäftigt auch erst einmal nicht zwingend notwendig.

Der dritte Teil zeigt dann kompakt und nach Themen sortiert verschiedene Materialien, Möbel, Bauteile und Beleuchtung. Gerade für Laien finden sich in diesem Teil wertvolle Informationen, die bei der Entscheidung, welche Materialien man verwenden möchte helfen und den Blick weiten, für Baustoffe etc., die man bisher vielleicht noch nicht kannte.

Conran Beispiel

Was ist das besondere?

Alle drei Teile des Buches sind eine gute Mischung aus größtenteils wirklich fundierten Texten und sehr guten, inspirierenden Bildern. Wenn man sich die Zeit nimmt, die Texte zu lesen, wird man mit deutlich mehr Tiefgang als viele der Einrichtungstrends-Bücher der letzten Jahre mitbringen belohnt. Der Spagat, ein Buch zu schreiben, dass sowohl Fachleute wie auch absolute Laien gerne in die Hand nehmen, ist hier gelungen. Auch nachdem ich das Buch schon einige Jahre besitze (mittlerweile gibt es eine Neuauflage mit geändertem Cover) lese ich immer wieder gerne darin und lasse mich inspirieren. Dies liegt unter anderem daran, dass es Conran gelingt, sehr lebendige und individuelle Lösungen zu präsentieren, die weit jenseits von bloßen Modeerscheinungen, Mainstream und allgemeinen Dekotipps zeigen, dass man auch mit wenig Raum und Fläche zu überzeugenden Lösungen kommen kann. Da ich selbst ein großer Freund von Einbaumöbeln bin und am liebsten für Räume immer nach einer maßgeschneiderten Lösung, die genau auf die bestehende Situation reagiert, suche, gefallen mir persönlich besonders die vielen vielen Beispiele für individuelle Einbaulösungen.

Conran Beispiele

Fazit

Text und Bilder: beides bietet hier viele fundierte Anregungen über die Gestaltung des eigenen Wohnraums nachzudenken. Kleinere Schwächen, wie die etwas oberflächliche Abhandlung komplexerer technischer Themen, fallen daneben nicht zu sehr ins Gewicht. Wer ein Buch sucht, dass auch beim x-ten Mal Lesen nicht langweilig wird, weil es sich nicht im Abbilden etwaiger Modetrends erschöpft, wird hier sicher fündig.

10. April 2014
von mecki
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Sichtbeton – spröde Schönheit

Sichtbeton

Immer wieder erlebe ich ungläubige Blicke beim Thema „Schönheit von Sichtbeton“. Reaktionen wie „und wann streicht ihr eure Wände“ oder „ich möchte doch nicht täglich auf eine graue Betonwand starren“ sind da keine Seltenheit. Daher möchte ich die Gelegenheit nutzen, Euch das Material etwas näher zu bringen.
Zwei Dinge sind es vor allem, die mich an Beton faszinieren: Das ist zum einen die Direktheit, das Unmittelbare des Materials – Beton ist ganz konkret erlebbar (das englische Wort für Beton ist nicht umsonst concrete), der Schaffensprozess ist spürbar, der Schalprozess ablesbar. Aus letzterem erklären sich übrigens auch die ganz unterschiedlichen Qualitäten von Sichtbeton: Es gibt sägerauhe Schalungen, die aus einzelnen ungehobelten Brettern zusammengesetzt werden und damit eine sehr rauhe und ursprüngliche Oberfläche bewirken. Schalelemente aus glatten (Holz-)platten bringen eine deutlich reduziertere Optik mit sich – wie ebenmäßig und sauber die sichtbare Betonfläche ist hängt dabei von weiteren Faktoren ab (Schalhaut, Trennmittel, Zuschlagstoffe etc.). Strukturiert werden die Flächen hierbei durch Fugenstöße sowie durch die Ankerlöcher der Schalelemente (ausführliche und interessante Infos zu Herstellungsweisen etc. findest Du hier. Viele Lesenswertes zum Baustoff an sich gibt es zudem auf dem kavia-blog ). Viele Architekten versuchen eine möglichst makellose Oberfläche und sehr präzise Anordnung von Ankerlöchern und Stößen zu erreichen – ich mag gerade das Zufällige, das Unperfekte, das Rauhe am Beton: schön zu sehen auf den Fotos, die in unserer letzten Wohnung entstanden sind.

Sichtbetonwand

Diese eher sperrige Schönheit wird getragen vom Kontrast – und damit bin ich beim zweiten Punkt, der für mich die Faszination ausmacht: der lebendige Dialog, den der Beton mit seiner Umgebung eingeht. Durch das Nebeneinander von kaltem, grauen Beton und warmen, lebendigen Materialen (Holz, Pflanzen, Farbiges) oder auch ganz reduzierten eher abstrakten Materialien (eine weiße Hochglanzlackierung zum Beispiel) entsteht ein ungeheuer reizvolles Zusammenspiel, die einzelnen Elemente werden in ihrer Wirkung gesteigert. Dieses Zusammenspiel wollte ich auch in unserm Schlafzimmer erreichen: Sichtbeton, Eicheparkett und hochglanzlackiertes Bett – so war der Plan. Eines schönen Tages komme ich auf die Baustelle… da hatte der Maler doch glatt die Wand gestrichen – Sichbeton adé. Nach ein wenig Trauer über die verpasste Chance, sind dann die 5 Bilder vom Anfang des Artikels entstanden, die ab sofort, die Wand über dem Bett – als Reminiszenz an den übermalten Beton- schmückten.

Sichtbeton Materialmix
beton_4

Meine Liebe zum Beton wurde übrigens ganz maßgeblich geprägt durch die Auseinandersetzung mit den Werken von Tadao Ando. Er versteht es meisterhaft mit dem Material umzugehen und seine Bauten strahlen vielfach etwas geradezu poetisches aus. Das ist dann aber Thema für einen eigenen Blog-Artikel, der sicher irgendwann folgen wird. Ein interessantes Interview mit Tadao Ando findet Ihr vorab schon einmal hier.