Bregenzerwald – Hotspot der Architektur und des Handwerks

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Als wir im Februar dieses Jahres das erste Mal in den Bregenzerwald fuhren wusste ich zwar vorher, dass Vorarlberg für seine anspruchsvolle und gute zeitgenössische Architektur bekannt ist. Darauf vorbereitet, welche Fülle an toller Architektur und an anspruchsvoller Handwerkskultur mich im Bregenzerwald erwartet, war ich jedoch nicht. Auf engstem Raum (hier leben rund 30.000 Menschen in gerade einmal 22 Dörfern) finden sich unglaublich viele gut gestaltete Bauwerke. Während anderswo Qualität meist eher die Ausnahme ist – gerade in Neubaugebieten – ist sie hier absolut der Normalfall. Seit den 90-er Jahren des letzten Jahrtausends hat sich eine rege Bau- und Handwerkskultur gebildet, die auch von der sehr guten Zusammenarbeit der Architekten mit den Handwerkern lebt.

Bregenzerwald

Bregenzerwald, Impressionen

So war im Februar schon klar, dass ich hier nicht zum letzten Mal bin. Und jetzt in den Sommerferien haben wir die Gelegenheit genutzt und nach unserem Alpencross noch ein paar entspannte Tage in Au verbracht. Von hier lohnen sich Ausflüge nach Bezau und Bizau, die beide mit viel sehenswerter zeitgenössischer Architektur aufwarten. Auch eine Fahrt nach Schwarzenberg kann man machen, hier gibt es noch viele ältere Bauwerke – anders als im restlichen Alpenraum, wo ich die Häuser oftmals als schwer und eher überladen empfinde, sind auch die älteren Bregenzerwaldhäuser eher streng, ein wenig karg und mit sehr präzisen Details. Material ist hier wie auch bei den aktuellen Gebäuden vorwiegend Holz – sehr genau und mit hohem handwerklichen Anspruch  verarbeitet – es macht immer wieder Spaß, sich Details genauer anzugucken.

Bregenzerwald

Bregenzerwald, vom Umgang mit Holz, alte und neue Details

Für mich leben die Orte auch durch ihr absolut natürliches Nebeneinander von Alt und Neu – das Neue kommt selbstbewusst daher, aber dennoch zurückhaltend und nie marktschreierisch oder effektheischend. Das Alte wirkt ob seiner Reduziertheit und Präzision durchaus aktuell und nie überholt. Wie wohltuend ein Gang durch einen solchen Ort ist!

Bregenzerwald

Bregenzerwald, zeitgenössische Architektur

Ein weiterer schöner Ausflug führt uns nach Andelsbuch. Hier hat der werkraum bregenzwald seinen Sitz. Dies ist ein Zusammenschluss von unterschiedlichen Handwerkern, die sich der Qualität des Handwerks und der Baukultur sehr erfolgreich verschrieben haben und die sicherlich maßgeblich zum hohen Bauniveau im Bregenzerwald beitragen. In Andelsbuch gibt es das Werkraum Haus, errichtet von Peter Zumthor (über den ich im ersten Beitrag meiner Miniserie schon berichtete), stellen hier Handwerker ihre Arbeiten aus. Darüberhinaus gibt es immer eine Wechselausstellung zu spannenden Themen. Fotografieren ist hier übrigens nicht erlaubt (Zumthor macht sich wohl Sorgen ob der Qualität von Privatfotos…, das Gebäude ist übrigens wirklich nicht einfach zu fotografieren und ich hatte an dem Tag schon das Kunsthaus in Bregenz abgelichtet, war daher nicht so böse, dass meine Kamera nicht zum Einsatz kam).

Bregenzerwald

Bregenzerwald, zeitgenössische Architektur

Wollte man dem Bregenzerwald und seiner Baukultur gerecht werden, müsste man sich sehr viel mehr Zeit nehmen – insofern versteht meine Bilder nur als einen ganz kleinen ersten Einblick und eine sehr sehr willkürliche Auswahl. Wollt Ihr mehr wissen über den Bregenzerwald? Dann gibt es hier noch ein paar Internetadressen zum Weiterlesen:

Architekt Hermann Kaufmann: einer der Architekten, die die Entwicklung im Bregenzer Wald maßgeblich mitgeprägt haben, schöne Website mit toller Architektur

eigen+sinnig: ein spannendes Buch, wenn man mehr über das Bregenzwälder Handwerk, Geschichte und Gegenwart, erfahren möchte

Bregenzerwald Tourismus: normalerweise stehe ich ja nicht so auf diese Touri-Info-Seiten, diese hier ist aber super gut gemacht und unglaublich informativ (und selbst das Webdesign scheint mir dem allgemein hohen Gestaltungsanspruch im Bregenzerwald angemessen…)

 

6 Kommentare

  1. ich erinnere mich gerade sehr gut an unsere Exkursion, die wir damals mit der uni dorthin gemacht haben. und am liebsten würde ich direkt wieder aufbrechen, wenn ich deine bilder so sehe!

  2. sooooo toll… die ecke.
    so viel wunderbare architektur, so wunderbares handwerk.

    erst vor ein paar wochen in der ecke gewesen… begleitet von der stetigen frage, warum man sich bei uns mit guter architektur sooo schwer tut.

    klasse fotos… dafür hatte ich leider keine gelegenheit. habe mir aber fest vorgenommen das irgendwann mal nachzuholen.

    liebe grüße
    julia

    die gerade auf die idee einer blogger-architektur-exkursion kommt :-D

    • ich seh schon, die architektinnen unter euch verstehen mich mal wieder ;-)
      blogger-architektur-exkursion klingt nach einer guten idee!
      lg, mecki

  3. Liebe Mecky,
    ich habe einiges verpasst. Umso schöner für mich, ich sonne mich gerade in Deinen Fotos. So tolle Eindrücke hast Du mitgebracht, ich bin begeistert. Ich mag solche Anstöße, die mich animieren, an solche Orte zu reisen, Danke dafür!
    Auf den Spuren von Peter Zumthor möchte ich auch gerne mal wandeln!
    Herzliche Grüße
    Cora
    P.S. ich habe auch solche Kuhfell-Holzschuhe. Die klappern so schön auf dem Holzdeck, meine Nachbarn sind bestimmt auch ganz begeistert ;) !

    • Liebe Cora,
      na jetzt ist die Architektinnenrunde ja fast komplett hier im Beitrag :-)
      Fein, dass Dir meine Urlaubseindrücke gefallen, ist halt auch einfach toll im Bregenzerwald – Architekten-Wonderland sozusagen, wir sollten Julias Exkursionsvorschlag umsetzen….
      lg, Mecki
      PS: ja, klappern können die Schuhe wunderbar, der Herr fein & raum (der immer eine halbe Stunde vor mir aufsteht) darf die darum auch morgens nicht tragen ;-)

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