Bildbearbeitung für Blogger – sRGB oder Adobe RGB

Bildbearbeitung für Blogger

Heute gibt’s endlich mal wieder etwas aus meiner kleinen Serie „Bildbearbeitung für Blogger“. Und zwar ein bisschen nützliches Hintergrundwissen. Sicher seit Ihr alle schon mal an Eurer Kamera oder im Bildbearbeitungsprogramm Eurer Wahl über die Begriffe sRGB und Adobe RGB gestolpert. Was ist das überhaupt und wann wende ich was an? Darum soll es diesmal hier gehen.

Farbmodelle

Wenn Ihr mit einer Spiegelreflexkamera oder auch einer anderen aktuellen Kamera fotografiert, könnt Ihr irgendwo in den Tiefen des Menüs einstellen, ob Eure Bilder in sRGB oder Adobe RGB aufgenommen werden. Nur, was hat die eine oder die andere Einstellung zu bedeuten? Beides sind sogenannte Farbräume, kurz gesagt, eine bestimmte Anzahl an unterschiedlichen Farben, die dargestellt werden können. Ich setze aber erst mal noch einen Schritt weiter vorne an und erkläre Euch zunächst, was ein Farbmodell ist, zu den Farbräumen komme ich dann später.

Farbmodell und Farbwerte

Ein Farbmodell ist eine Art und Weise Farbe zu beschreiben. Ihr fotografiert eine rote Mohnblume vor blauem Himmel? Unser Auge sieht intensives Rot und strahlendes Blau. Aber unser Auge ist ja auch ein ziemlich intelligentes Etwas während man das vom Computer so nicht sagen kann. Der erkennt nicht etwa automatisch, dass eine Mohnblume rot und der Himmel blau (naja, manchmal) ist, der braucht eine klare Ansage. Und die bekommt er  in Form von Zahlen. und wie eine Farbe in Zahlen zerlegt wird, wird mit dem sogenannten Farbmodell festgelegt. In unserm Fall ist das das Farbmodell RGB (Rot-Grün-Blau). Das heißt jede Farbe wird durch ihren Rot-, Grün- und Blauanteil definiert. Ich hab mal besagte Mohnblume analysiert und die jeweiligen Farbwerte dazu geschrieben. Da seht Ihr, dass die Mohnblume im sogenannten Rotkanal einen sehr hohen Wert hat (245) und in den anderen Kanälen nichts oder fast nichts. Der höchste Wert, den ein Kanal haben kann ist übrigens 255. Komische krumme Zahl? Hängt mit der Farbtiefe von 8 bit zusammen, das erklär ich ein anderes Mal.

Ihr seht zum Beispiel auch, dass der gelbe Teil der Margerite einen hohen Rot- und einen hohen Grünanteil hat. Moment, was ist denn eigentlich mit dem Gelbanteil. Ja, Gelb gibt es nicht im RGB Farbmodell. Aber Mischfarben gibt es – und Gelb ist eine Mischung aus Rot und Grün. Ja wirklich, das ist für’s Auge zwar schwer nachzuvollziehen, aber bei den sogenannten Lichtfarben ist das so. Lichtfarben übrigens deshalb, weil das Farbmodell RGB zuständig ist für alle Farben, die mit Licht erzeugt werden – Kamera, Monitor und Scanner beispielsweise. In dem Diagramm könnt Ihr auch erkennen, dass die Mischung aus allen 3 Farben Weiß ergibt, eigentlich logisch bei Licht.

Quelle: Wikimedia Commons

Quelle: Wikimedia Commons

Es gibt noch verschiedene andere Farbmodelle: CMYK, HSR oder Lab. Da wir aber beim Bloggen ja immer mit Bildschirm und Co. zu tun haben, reicht uns das Farbmodell RGB.

Farbräume

RGB ist also klar, aber was ist nun mit sRGB und Adobe RGB? Während das Farbmodell erst einmal nur definiert, wie eine Farbe beschrieben wird, hat ein Farbraum eine konkrete Größe oder Ausdehnung, definiert also eine Menge an Farben. Der sRGB-Farbraum ist ziemlich klein, kann also nicht ganz so viele Farben darstellen. Der Adobe RGB Farbraum ist größer, kann also mehr Farben darstellen – dies vor allem im Grünbereich. Die Mehrfarben kommen aber nur dann zum Tragen, wenn Ihr einen wirklich sehr bunten, gesättigten Gegenstand fotografiert – selbst bei der Mohnblume wäre noch nicht wirklich ein Unterschied zu sehen. Aber klar, großer Farbraum ist ja toll, kann ich mehr Farben mit darstellen. Da liegt also die Vermutung nahe: nehm ich doch einfach immer Adobe RGB und profitiere vom größeren Farbraum. Wenn da nicht ein kleines Aber wäre, das gerade uns Blogger betrifft

Browser und mobile Betriebssysteme

Die Information, welchen Farbraum Euer Bild nutzt ist als sogenanntes Farbprofil in der Datei hinterlegt. Und dieses Farbprofil muss von der jeweiligen Software zunächst mal erkannt und ausgelesen werden, um ein Bild farbrichtig darzustellen. Die meisten Browser können das mittlerweile sogar, aber im Zusammenspiel mit mobilen Betriebssystemen, und zwar egal ob android oder ios können sie es alle nicht. Das heißt spätestens, wenn Eure Bilder auf mobilen Geräten betrachtet werden, gibt es ein Problem mit Farbprofilen. Da sich sRGB als kleinster gemeinsamer Nenner etabliert hat, geht der jeweilige Browser dann einfach davon aus, dass Euer Foto diesen Farbraum nutzt. Und was passiert nun, wenn Ihr aber eigentlich in Adobe RGB fotografiert habt? Der Browser nimmt die reinen Zahlenwerte aus Adobe RGB und stellt sie als sRGB dar – also eine 213 bleibt zum Beispiel eine 213, obwohl diese ja in sRGB viel blasser ist und meinetwegen zu einer 221 werden müsste um genauso auszusehen wie die selbe Farbe in Adobe RGB. Ihr wollt nicht über Zahlen nachdenken? Dann guckt Euch einfach mal die beiden folgenden Beispiele an. Links jeweils das „richtige“ Bild in Adobe RGB und rechts das was Browser und Betriebssystem daraus machen. Nicht schön, oder?

Falschdarstellung Adobe RGB Falschdarstellung Adobe RGB

Fazit

Wenn Ihr sicher gehen wollt, dass Eure Blogleser das gleiche sehen was Ihr in Photoshop seht, dann legt Eure Bilder in sRGB an. Wenn Ihr in jpg fotografiert, dann könnt Ihr diese Einstellung direkt in der Kamera wählen (oder auch hinterher noch in Photoshop ändern: im Menü bearbeiten gibt es den Befehl „in Profil umwandeln“. Dort könnt Ihr dann sRGB einstellen und Photoshop rechnet alles entsprechend farbrichtig um). Wenn Ihr in Raw fotografiert (was ohnehin empfehlenswert ist) legt Ihr die Einstellung des Farbraums erst bei der Bildausgabe fest.

Farbraum Einstellung Adobe Raw

Und warum gibt es nun überhaupt Adobe RGB? Bei anderen Anwendungen, wie zum Beispiel dem Bilderdruck bei einem professionellen Anbieter, der Farbmanagement beherrscht, lohnt es sich durchaus die Aufnahmen in Adobe RGB zu machen und dann tatsächlich von dem größeren Farbraum zu profitieren. Da für uns Blogger aber immer das Internet das Medium der Wahl ist, lautet die Empfehlung ganz klar: sRGB!

Habt Ihr bis hierhin mitgelesen? Glückwunsch, Ihr habt echt Durchhaltevermögen :-). Ich hoffe, meine Bildbearbeitungsartikel sind Euch nicht zu episch, ich erklär halt die Dinge immer gerne ein wenig ausführlicher, so dass Ihr nicht nur wisst, WAS Ihr macht sondern auch WARUM Ihr es macht, da ist langfristig der Lernerfolg einfach größer :-).

2 Kommentare

  1. Danke! Sehr informativ und knackig geschrieben.