Bildbearbeitung für Blogger – das Histogramm

| 9 Kommentare

Bildbearbeitung fuer Blogger das Histogramm

So, jetzt geht’s hier weiter mit meiner kleinen Serie „Bildbearbeitung für Blogger„. Als ich die Tage so überlegte, welche Themen ich Euch dazu präsentieren möchte, stellet ich fest, dass das gar nicht so einfach ist. Denn ehrlich gesagt, habe ich nicht wirklich Ahnung, was Euch dazu interessiert und wie viel Ihr schon wisst (wahrscheinlich so einiges). Ich denke, ich versuche Euch mal eine bunte Mixtur aus Anfängerthemen und weiterführenden Ideen zu bieten. Und ich bin natürlich super froh über Rückmeldungen, Fragen und Ideen Eurerseits zu Themen der Bildbearbeitung, über die Ihr mehr wissen möchtet.

Heute starte ich mit einem Tool, dass sozusagen DIE Grundlage für gute Bilder ist – das Histogramm, ohne geht in der Fotografie und der Bildbearbeitung sozusagen gar nix. Aber was ist das eigentlich, das Histogramm? Gesehen habt Ihr es wahrscheinlich alle schon mal, entweder auf dem Display Eurer Kamera oder in dem Bildbearbeitungsprogramm Eurer Wahl.

Histogramm Beispiel

Auf der Skizze oben seht Ihr so ein typisches Histogramm. Auf der x-Achse (also der horizontalen Achse) werden alle Tonwerte von 0 (das entspricht Schwarz / kein Licht) bis zu 255 (das entspricht Weiß / soviel Licht wie möglich) abgetragen. Auf der y-Achse ist dargestellt, wie oft der jeweilige Helligkeitswert im Bild vorkommt. Das Histogramm liefert Euch also, kurz gesagt, die Informationen, wie Euer Bild belichtet ist. Ich hab Euch ein paar Beispiele zusammengestellt, auf denen Ihr sehen könnt, wie sich die Belichtung eines Fotos auf das Histogramm auswirkt:

typisches histogramm tonwertumfang komplett

 

Beispiel 1 (also in dem Bild oben) ist ein korrekt belichtetes Bild. Das komplette Tonwertspektrum von 0 bis 255 ist ausgereizt. Irgendwo in der Unterkonstruktion des Stuhls gibt es ein paar schwarze Pixel und die glänzenden Stellen auf dem Bilderrahmen erreichen ein reines Weiß. Und dazwischen gibt es je nach Bildinhalt Tonwerte in verschiedener Anzahl – der große helle Berg relativ weit rechts rührt zum Beispiel daher, dass viel helle Wand auf dem Bild ist.

Beispiel 2 (jetzt gehts unten weiter) ist deutlich unterbelichtet. Es gibt ausschließlich Tonwerte im linken Bereich, also in den dunklen Tönen. Alle hellen Töne und Weiß fehlt komplett, obwohl die fotografierte Wand ja eigentlich weiß ist.

Beispiel 3 hat hingegen ein bisschen zu viel Licht abbekommen, auf dem Histogramm erkennt Ihr das daran, dass der rechte Berg sozusagen aus dem Rand ausbrechen will. Im Bild seht Ihr, dass die ganz hellen Töne – zum Beispiel im linken Teil der Vase – keine Detailzeichnung mehr haben, also ausschließlich Weiß sind, nicht schön!

Beispiel 4 ist eigentlich richtig belichtet, also weder zu hell noch zu dunkel, aber ein wenig kontrastarm. Das heißt alle Tonwerte befinden sich irgendwo in der Mitte, es gibt keine wirklich dunklen oder hellen Töne, alles wirkt dadurch ein bisschen flau.

Und das letzte Beispiel, die Nummer 5 ist so ein typisches Fotografieproblem: Das Histogramm versucht an beiden Seiten am Rand auszubrechen. Der Himmel ist ganz und gar weiß, ohne Zeichnung in den Details und in den Fenstern ist es stellenweise so schwarz, dass man nichts mehr erkennt. Hier ist der Kontrastumfang einfach größer als der Kamerasensor das aufzeichnen kann – das passiert zum Beispiel dann, wenn Ihr im grellen Mittagslicht fotografiert, vielleicht sogar noch gegen die Sonne.

Histogramm_2

Das Histogramm selbst liefert Euch also zunächst mal nur die Information, wie das Bild belichtet ist. Und welche Möglichkeit habt Ihr jetzt, etwas zu ändern, wenn das Histogramm und damit die Belichtung nicht so perfekt ist, wie Ihr das gerne möchtet? Das Beste ist natürlich, Ihr erledigt das direkt beim Fotografieren und nutzt schon da das Histogramm in der Kamera um korrekt zu belichten. Soweit die Theorie :-) In der Praxis ist es (auch bei mir) oft eher so, dass doch einige Aufnahmen nicht so perfekt sind, wie ich das gerne hätte. Und dafür gibts dann die Bildbearbeitung – zwar ein bisschen mehr Arbeit, aber es macht auch richtig Spaß, seine Bilder im Nachhinein noch zu optimieren.

Egal mit welchem Tool Ihr arbeitet – eine Möglichkeit, die Tonwerte zu manipulieren hat jede Bildbearbeitungssoftware. Da meine Werkzeuge der Wahl ja alle von Adobe stammen, zeige ich Euch heute die Bearbeitung damit – was ich Euch heute zeige funktioniert übrigens genau gleich, egal ob Ihr Photoshop, Lightroom oder Photoshop Elements nutzt. Ich fotografiere eigentlich immer in RAW (sehr sehr empfehlenswert, damit sind einfach die viel besseren Ergebnisse zu erreichen, dazu aber später mal mehr) und RAW Dateien werden mit dem Adobe Raw Converter bearbeitet. Aber auch Eure JPGs könnt Ihr darin bearbeiten (einfach in der Bridge „in Camera Raw öffnen“ wählen) und das ist für die Optimierung der Tonwerte eine gute Idee.

Im Raw Converter begegnet Euch auf der Startseite dann rechts oben wieder das Histogramm – prima, so könnt Ihr direkt überprüfen, was Ihr im Bild ändert. Dazu stehen Euch für die Optimierung der Tonwerte 5 Regler bereit:

Belichtung: verschiebt alle Tonwerte nach rechts oder links, ändert also die Gesamthelligkeit des Bildes

Lichter: ändert die hellen Bereich im Bild

Tiefen: ändert die dunklen Bereiche im Bild

Weiß: ändert die ganz hellen Bereiche im Bild

Schwarz: ändert die ganz dunklen Bereiche im Bild

Tonwerte  in Adobe Camera Raw

Alle Regler könnt Ihr sowohl nach links wie nach rechts ziehen. Das heißt Ihr könnt Lichter abdunklen (wäre zum Beispiel in Bild 5 nötig) oder Lichter aufhellen. Das gleiche gilt für die Tiefen. Das Ziel dabei ist immer, ein ausgewogenes Histogramm zu bekommen – also einen Kontrastumfang, der gerade so das ganze Spektrum von 0 bis 255 ausreizt ohne, dass dabei Details verloren gehen. Ihr seht alle Änderungen live und könnt zusätzlich im Histogramm beobachten, wie sich die Tonwerte ändern. Die beiden kleinen Dreiecke am oberen Rand des Histogramms warnen Euch übrigens vor Detailverlust oder dem Beschneiden von Tonwerten, wenn Ihr die Regler zu weit zieht. Dafür klickt Ihr die Dreiecke an und ab sofort werden Euch im Bild abgesoffene Tiefen (ja so heißt das im Fotografensprech :-) in blau und ausgebrannte Lichter in rot angezeigt. Den gleichen Effekt erreicht Ihr übrigens auch kurzfristig durch drücken der Alt-Taste, während Ihr an den Reglern zieht.

Fazit: Immer das Histogramm im Blick haben, dann kann in der Optimierung Eurer Tonwerte eigentlich nix mehr schief gehen.

Puuuh, das war jetzt viel Text (habt Ihr durchgehalten bis hierhin?) und das obwohl ich Euch gerade mal ein einziges Tool vorgestellt habe. Wie gesagt, freue ich mich super über Rückmeldungen von Euch: Was wollt Ihr lernen, was ist unklar in Photoshop, welche Themen interessieren Euch?

9 Kommentare

  1. Ja viel Text, aber auch viel Informationen. Ich nutze den Raw Converter, deshalb danke ich Dir für die tolle Info, ich habe dazugelernt.

    Ich sage nur: Detailverlust bei meinen Fußleisten ;) !

    Liebe Grüße
    Cora

    • Hihi, Detailverlust bei Fußleisten ist gut :-)
      Ja, der Raw Converter ist auch einfach ein tolles Tool, macht Spaß ihn zu nutzen.
      LG und einen schönen Start ins Wochenende wünsche ich Dir,
      Mecki

  2. Liebe Mecki,
    toller Beitrag, da gab es auch für mich viel Neues. Konnte so einiges dazu lernen und werde Deine tollen Tipps zukünftig beherzigen. Ich arbeite viel und gerne in Photoshop, bin dort aber eher intuitiv unterwegs, da fehlt eine Menge Know-How. Sicher geht vieles sehr viel einfacher. Kann daher leider gar nicht so genau sagen, welche Themen noch interessant wären… Alles eigentlich!
    Gerne und bitte mehr davon, ich freue mich schon auf den nächsten Beitrag und danke Dir sehr für die Mühe, die Du Dir machst!
    Ein schönes Wochenende wünsche ich Dir! Tanja

    • Liebe Tanja,
      das ist eine echte Kunst in Photoshop intuitiv unterwegs zu sein, aber Deine Ergebnisse zeigen ja, dass das sehr erfolgreich geht :-). Ich freu mich darauf, mehr Beiträge zu Photoshop zu schreiben, wenn gleich ich mich jetzt hier bei dem ersten echt schwer getan habe – vor einer Gruppe von Leuten mündlich zu erklären ist irgendwie viel einfacher als das ganze in einem Blogbeitrag festzuhalten.
      Dir auch ein schönes Wochenende, Mecki

  3. Liebe Mecki,

    diese Serie finde ich super!!! Wenn ich mal gaaaanz viel Zeit hab, werde ich mich mal durch die Serie durchklicken! ;)

    Viele Grüße, Kathrin*

  4. Vielen Dank für die Tipps!

    Ist schon ein bisschen her, dass ich das im Studium hatte. Und dann auch in einem ganz anderen Zusammenhang. Daher ist so eine Auffrischung immer mal gut.

    Ich bin schon gespannt, was du als nächstes Abdecken wirst in deiner Serie.

    Liebe Grüße,
    Julia

    • Ja, wird mal wieder Zeit für eine Fortsetzung meiner kleinen Serie, bestimmt komme ich bald mal dazu :-). Du hast Webdesign studiert wie ich auf Deinem Blog gesehen habe? Sicher auch ein tolles Studium. Aus der Ecke hab ich auch öfter mal Kursteilnehmer.
      LG, Mecki

      • Uh, ne. Tatsächlich gar nicht. Ich habe Bioinformatik studiert und bin jetzt in der Webentwicklung gelandet. Alles reines Programmieren eigentlich!
        Aber so hin und wieder muss man dann doch auch mal an Photoshop ran und Fotos machen gehört ja beim Bloggen irgendwie auch dazu.
        Daher versuche ich, mich da auch ein bisschen weiterzubilden und bin dir über solche Artikel total dankbar!

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.