14. September 2015
von mecki
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Tierisches aus dem Urlaub

Jetzt ist er fast rum, der Sommer. Und irgendwie haben sich Bloggen und Sommer bei mir dieses Jahr nicht so recht vertragen – habt Ihr gemerkt, ich hab mich ganz schön rar gemacht die letzten Wochen. Jetzt zum Abschluss der Sommerferien waren wir nochmal 5 Tage in den Bergen. Erinnert Ihr Euch noch? Meine Lieblingsecke in den Alpen? Ja klar – Bregenzerwald! Gehört sich so als Architektin – nirgendwo gibt es wohl eine solche Fülle toller zeitgenössischer Architektur. Das ist richtiger Wellness-Urlaub für die Augen. Die dürfen sich dort nämlich tagelang an guter Architektur und sonstigem tollen Design – vom Möbelstück bis zum Schuh erfreuen, das tut gut, sag ich Euch :-).

alpabtrieb in schwarzenberg

Und diesmal? Hab ich Euch aus dem Urlaub dennoch keine Architektur mitgebracht (dazu guckt Ihr hier oder auch hier) sondern ganz was anderes: Kühe. Jawohl, richtig gelesen… Kühe. Es war nämlich Alpabtrieb in Schwarzenberg. Von Ende Juni bis Anfang September dürfen die Kühe ihr Leben auf den hochgelegenen Almen genießen und dort die Milch für den wunderbaren Bergkäse produzieren (würde ich übrigens nicht wegen der Architektur und der Berge dorthin fahren, so wäre der Käse dort alleine schon Grund genug – Grundlage für die weltbesten Käsespätzle, mmmmh). Am 08. September war es dann Zeit ins Tal zurückzukehren und über 1000 Kühe machen sich aus allen Richtungen auf den Weg zurück zu ihren Bauern.

Dabei legen die Kühe teilweise beachtlich weite Strecken zurück. Nach Schwarzenberg kommen sie beispielsweise bis aus Lech am Arlberg – das sind mehr als 50 km, die die Tiere und ihre menschlichen Begleiter in 2 Tagen zurücklegen. Auch durch Bizau, wo wir wohnten, zogen bereits vor dem Frühstück die ersten Kühe. Beeindruckend: Lange bevor man sie sieht, hört man ein tosendes Glockengeläut. Zum Alpabtrieb haben die Tiere riesige Glocken um und machen damit ein veritables Getöse.

alpabtrieb in schwarzenberg

Nach dem Frühstück haben wir uns dann sofort auf die Räder geschwungen, um die 12 Kilometer nach Schwarzenberg zurückzulegen und pünktlich mit den ersten Kühen anzukommen. Dachten wir zumindest! War aber gar nicht so einfach. Denn nicht nur wir wollten dorthin sondern, ich erwähnte es bereits, auch jede Menge Kühe. Und die nutzten neben den Straßen auch gerne die Radwege. Und sich mit Kühen einen Radweg zu teilen funktioniert nicht wirklich – selbst wenn die Kühe schon durch sind ist das kein Spaß, Ihr glaubt gar nicht, was die Viecher da so alles liegen lassen :-). Irgendwie sind wir dann aber dennoch durchgekommen.

alpabtrieb in schwarzenberg

In Schwarzenberg war dann tatsächlich die Hölle los: Bauern, Einheimische, Touristen – alle sind an dem Tag auf den Beinen, hatte fast was von Karnevalsumzug in Köln :-). Wenn die Kühe dann kommen (Jede Alm wird von einem Traktor angeführt und jeweils mit Namen angekündigt) ist das schon richtig beeindruckend – für alle Sinne: Geräusch, Geruch und natürlich ganz viel zu gucken. Während man letzeres mit der Kamera einfangen kann, fehlen alle anderen Sinneseindrücke auf den Fotos. Ein Grund, warum ich es ganz schön schwer fand, wirklich gute Fotos, die die Atmosphäre rüberbringen, zu machen. Außerdem bewegen sich Kühe (ja wirklich ;-) und das ist nicht nur zum Fokussieren nicht so ganz einfach sondern manchmal auch wirklich aufregend, wenn man vor lauter Kamera vor den Augen erst im letzten Moment mitbekommt, wie nah die Kuh mit ihrer Riesenzunge dem eigenen Gesicht schon ist :-)

alpabtrieb in schwarzenberg

Viele der Kühe sind geschmückt, einige nicht. Erst abends beim Essen erfuhr ich, dass die Bauern ihre Kühe in guten Jahren schmücken – je aufwendiger der Schmuck, desto besser ist das Jahr gewesen. Ist eine Kuh gestorben, werden die anderen Kühe (dieser Alm oder dieses Bauers – das weiß ich nicht genau) gar nicht geschmückt. Bei aller Idylle der Szenerie sind übrigens die Probleme der Milchwirtschaft auch im Bregenzerwald schon angekommen. So ist es wohl nicht mehr so einfach, genug Menschen zu finden, die den Sommer auf der Alm verbringen und manche Bauern lassen ihre Kühe lieber im Tal, weil dort die Milchleistung leichter zu steigern ist. Dennoch finde ich es toll, dass es dort in den Bergen noch eine solche Landwirtschaft gibt – da schmecken die Käsespätzle am Abend nochmal so gut!

alpabtrieb in schwarzenberg