17. August 2015
von mecki
7 Kommentare

Selbst gebackenes Brot – sooo einfach!

Kebo ruft wie jeden Monat zum Bloggerevent „Typisch für…“ und diesmal geht’s um Frühstück. Typisch für mein Frühstück also… Nun gibt es bei mir aber gar nicht DAS typische Frühstück, nein, meine Woche ist frühstückstechnisch sozusagen zwei-geteilt. Wochenende: gerne viel und lang und gemütlich. Während der Woche: ich gestehe, ich bin ein echter Morgenmuffel, vor 8 Uhr allerfrühestens spricht man mich am besten nicht an. Da das Frühstück aber bei uns um 7 Uhr statt findet, darf es gerne kurz, schweigsam und so wenig wie möglich sein :-).

Und was ich ja immer mag, Morgenmuffel hin oder her, ist unser selbstgebackenes Sauerteigbrot – gibt’s bei uns seit Jahren und ist so super einfach und gleichzeitig so lecker, dass ich Euch heute einfach mal aufschreibe, wie Ihr Euch auch eins backen könnt.

Sauerteigbrot selbst gebacken

Die Zutaten

Ihr braucht (Achtung, längste Zutatenliste ever ;-):

1 kg Roggenvollkornmehl

20 g Salz

Wasser

Und so geht’s:
Beim ersten mal müsst Ihr erst einmal einen Sauerteig herstellen, nicht erschrecken, geht total einfach. Beim zweiten Brot habt Ihr den dann schon (wie man ihn aufbewahrt steht weiter unten) und es wird noch viel einfacher.

Der Sauerteig

Für den Sauerteig vermischt Ihr an Tag 1 ca. 100 gr Mehl mit handwarmen Wasser in einer verschließbaren Schüssel. Die Konsistenz sollte ungefähr breiig sein. Die Schüssel stellt Ihr dann an einen eher warmen Ort – optimal wären ungefähr 23°, wenn’s ein bisschen wärmer oder kälter ist, macht das aber auch nichts (während der folgenden Tage entwickeln sich verschiedene Essig- und Hefebakterien, letztere gedeihen am besten bei warmen Temperaturen, während die Essigbakterien es wohl eher etwas kälter mögen. Wie Euer Sauerteig hinterher schmeckt, ist also  auch ein wenig temperaturabhängig).

An Tag 2 und 3 wiederholt Ihr einfach das Prozedere von Tag 1, füllt also in die selbe Schüssel erneut Mehl und Wasser, rührt um und lasst die Mischung für 24 Stunden in Ruhe. Wenn alles gut läuft, entwickelt der Sauerteig kleine Bläschen und zeigt Euch so, dass er lebt.

Roggenvollkornbrot selbst gebacken

Das Brot

An Tag 4 ist Euer Sauerteig fertig und Ihr könnt mit dem Brotbacken beginnen. Dazu füllt Ihr den Sauerteig mit der Hälfte des verbliebenen Mehls (insgesamt müsste Ihr nun noch 700 gr Mehl haben) auf und gebt wieder handwarmes Wasser dazu. Die Konsistenz darf nun etwas fester sein, sollte sich aber immer noch mit einem stabilen Löffel bearbeiten lassen. Den Teig lasst Ihr nun für 4 Stunden wiederum abgedeckt an einem warmen Ort stehen. Danach nehmt Ihr zunächst eine Gabel Teig ab und mischt diese (am besten einfach mit den Fingern) solange mit ca. 2-3 Esslöffel Mehl bis eine krümelige ziemlich trockene Konsistenz entsteht – das ist der sogenannte Krümelsauer. Den könnt Ihr in einem sauberen Glas verschlossen im Kühlschrank lagern, bis Ihr das nächste Mal Brot backt. So ist er mehrere Wochen haltbar*.

Den Rest des Mehls gebt Ihr nun in die Schüssel zusammen mit ca. 20 gr Salz und – Ihr könnt es Euch schon denken – handwarmen Wasser. Wer mag kann an dieser Stelle auch noch Brotgewürze wie Kümmel, Fenchel oder Koriander zufügen, auch lecker. Wenn Ihr den Teig (Roggenteig ist extrem klebrig) gerade noch so umrühren könnt, ist die Menge Wasser richtig. Es ist schwierig, eine genaue Menge Wasser vorzugeben, weil das einfach sehr vom Mehl abhängt, ich messe es selbst auch nie ab. Den Teig füllt Ihr nun in eine gefettete große Kastenform und die darf nun, mit einem Tuch abgedeckt, wieder ruhen, jetzt im Sommer einfach in der Küche, im Winter sucht man sich am besten ein warmes Fleckchen (z.B. im Backofen bei eingeschalteter Beleuchtung). Wie lange genau, hängt davon ab, wie warm es ist und wie triebstark Euer Sauerteig schon ist, der wird nämlich immer kräftiger und besser, je älter er ist, ja wirklich! Für den Anfang lasst Ihr Euer Brot am besten 3 Stunden gehen. Nach einiger Zeit, kann das deutlich kürzer sein, bis dahin habt Ihr aber selbst ein Gefühl dafür entwickelt :-)

Roggenbrot Vollkorn mit Tomaten

Das Backen

Das ungebackene Brot könnt Ihr einmal längs einritzen, das sorgt für die hübsche Aufbruchkante. Den Ofen heizt Ihr vor nach dem Motto „Alles was geht“ – das dürften im Normalfall so ca. 270° sein. Auch wenn alle Brotbackspezialisten was anderes sagen, ich nehme für die ersten 10 Minuten dabei gerne Heißluft, macht das Brot schön kross. Unten in den Ofen kommt noch ein Backblech, auf das ich beim Einschießen (so nennt man den Moment, wenn das Brot in den Ofen kommt…) ca.50 ml Wasser verspritze – alles für die gute Brotkruste :-). Nach 10 Minuten stellt Ihr die Temperatur zurück auf 190° sowie Ober- und Unterhitze und backt dabei das Brot eine weitere Stunde. Fertig! Und nun müsst Ihr ganz hart sein und das Brot noch über Nacht liegen lassen, denn so ein guter Roggensauerteig will erst einmal ein paar Stunden reifen bevor er zu Höchstform aufläuft. Dafür schmeckt’s dann am nächsten Morgen um so besser. Und ich kann Euch an der Stelle garantieren: wenn Ihr einmal Euer selbstgebackenes Brot gegessen habt, mögt Ihr nie wieder ein anderes.

Die Tomaten auf dem Foto sind übrigens tatsächlich aus dem eigenen Garten, bis jetzt kann sich die Ernte echt sehen lassen :-)

* Beim nächsten Mal Brotbacken nehmt Ihr den Krümelsauer am Abend vorher aus dem Kühlschrank und gebt ungefähr 200 gr Mehl und Wasser dazu. Am nächsten Morgen könnt Ihr dann wie an Tag 4 starten (mit etwas variierter Mehlmenge, so dass Ihr gesamt wieder auf 1 Kilo kommt)

7. August 2015
von mecki
6 Kommentare

Von Nahrung, Hühnern und Eiern

So, da bin ich wieder – nach 2 Wochen Urlaub, der nahezu komplett offline verbracht wurde (mir hat’s gefallen).

mobiler hühnerstall kronberg

Und was bringe ich Euch mit, so direkt nach der Sommerpause? Hühner und Eier. Jaaaa, mal ganz was anderes hier auf fein & raum. Ich stolpere in meinem Leben immer wieder über die Frage, wie man sich dieser Tage ernähren kann, ohne an unserem Planeten Raubbau zu betreiben. Gar nicht so einfach: Bio, regional, saisonal, kurze Transportwege, wenig Verpackung, geringer Co2-Verbrauch, Tierleid usw. usw. Es gibt so unglaublich viel, was da gegeneinander abgewogen werden will, dass einem zuweilen schon der Kopf schwirren kann.

Dabei ist es manchmal nicht einfach abzuwägen: Ist es jetzt die Bio-Gurke aus Spanien sinnvoller als die konventionelle aus Deutschland. Sind die in Plastik verpackten regionalen Tomaten besser als die mit Transportweg, die lose angeboten werden. Verbraucht die Herstellung des leckeren Parmesan nicht eigentlich mehr Co2 als das Schweineschnitzel, das ich meist ohne großen Verlust links liegen lasse?

mobiler hühnerstall kronberg

Nun ist es nicht so, dass ich im Alltag ständig verzweifelt darüber grüble, was ich denn nun eigentlich essen „darf“. Im Gegenteil – es macht mir riesig Spaß, Lebensmittel einzukaufen und zu kochen. Dabei immer auch ein wenig im Hinterkopf zu haben, wie verantwortungsvoll meine Kaufentscheidungen sind, ist keine Last. Auch wenn ich weiß, dass ich damit kaum die Welt rette, ist es mir wichtig. Und wenn ich dann doch schon im Juni Lust auf Tomaten habe, dann dürfen die auch mal aus Italien kommen (bis meine eigenen wirklich reif sind, dauert glaube ich noch bis September :-). Überhaupt Italien: Ohne Zitronen, Olivenöl und Pasta geht bei mir nix – konsequent regional werde ich also wohl nie schaffen.

mobile hühnerhaltung auf streuobstwises

Gefreut habe ich mich aber sehr, als ich kürzlich entdeckte, dass um die Ecke eine mobile Hühnerherde (tolle Bezeichnung oder?) ein Plätzchen gefunden hat. Da laufen doch tatsächlich ca. 100 Hühner in schönster Idylle auf der Streuobstwiese rum. Und wenn sie diese kahl gepickt haben werden sie in ihrem mobilem Heim ein paar 100 Meter weiterverfrachtet. Die Landeier unter Euch werden vielleicht sagen: „Hej, ist doch selbstverständlich“. Aber ich wohnen nun mal mitten in Rhein-Main, dicht be- und zersiedelt, und da ist so was schon ein richtiges Highlight. Ja und heute habe ich es endlich mal zu den (spärlichen) Öffnungszeiten des kleinen Hofladens geschafft und hatte Glück, dass die Hühner auch produktiv waren und ich 10 Eier bekommen habe.

mobile hühnerhaltung in oberhöchstadt

Ha, und ich hab die Kamera mitgenommen, denn auf dem Weg zum Hofladen, komm ich bei besagten Hühnern vorbei. Also erst die Produzenten live fotografieren und dann ihre Erzeugnisse einkaufen gehen, ist doch toll!

Das Federvieh kam übrigens direkt zum Zaun gestürmt, als ich mein Rad abstellte. Erst war ich ganz entzückt, dass sie sich mir quasi als Fotomodell aufdrängten. Der Spaß war aber schnell vorbei, als sie merkten, dass ich nix zu essen dabei habe. Da zeigten sie mir ganz schnell ihr Hinterteil. Und ich durfte feststellen, dass es doch was anderes ist, Kerzenständer, Kuchen oder Häuser zu fotografieren. Da ist definitiv noch Luft nach oben, was die Tierfotografie betrifft :-).

mobile hühnerhaltung

Und Ihr? Habt Ihr auch was um die Ecke, wo das Essen einkaufen so viel Spaß macht? Markt, Bauernhof oder gar der eigene Garten? Oder bevorzugt Ihr den praktischen Supermarkt, der ja zumindest in punkto Zeitfaktor kaum zu toppen ist?

Ein wirklich sehenswerter Film zum Thema ist übrigens: 10 Milliarden – wie werden wir alle satt?